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MARCO AURELIO PÉREZ

im Gespräch mit dem Bürgermeister von San Bartolomé de Tiranana

aus Ausgabe Nr. 36

San Bartolomé de Tirajana heißt die flächenmäßig größte Gemeinde von Gran Canaria. Die Fläche von 333,13 Quadratkilometern entspricht etwa einem Drittel der Insel. An der Süd­küste des Gemeindebereichs be­findet sich Maspalomas, eine der bekanntesten Touristenenklaven Spaniens.Doch die Gemeinde hat abgesehen von den wunderschönen Stränden wie z. B. Playa del Inglés, San Agustín oder Meloneras noch weit mehr zu bieten. Es ist sicher das mit Abstand abwechslungsreichste Gemeindegebiet der Insel aus Sicht der Naturvielfalt. Auf diesem Gebiet kontrastieren Lagune, Dünen und Steppen, Kie­fernwälder, zerklüftete Bergketten, Schluchten, Stauseen und jede Men­ge Kanarische Dattelpalmen auf be­eindruckende Weise.

 

Wir waren zu Besuch bei Marco Aurelio Pérez Sanchéz, dem Bürgermeister dieser geschichtsträchtigen Gemeinde, die angeblich schon Kolumbus auf seiner Entdeckungsreise betrat.

 

Es ist 17.00 Uhr an einem Dienstag, als wir uns auf den Weg zum Rathaus im Stadtteil San Fernando de Maspalo­mas begeben. Erst im April des Vor­jahres zog das Bürgermeisteramt in dieses neue, moderne Gebäude. Doch dieses präsentiert sich an diesem herr­lichen Tag ganz anders, ungewohnt ruhig. In den Vormittagsstunden herrscht hier buntes Treiben, wenn die vielen Besucher „vorstellig werden“, um ihre administrativen Belange zu erledigen. Im ersten Stockwerk ange­langt öffnet uns ein überaus freundli­cher Bürgermeister persönlich die Tür in diesem abgegrenzten Bereich und geleitet uns in sein gediegenes Büro.

 

Er demonstriert uns die kanarische Gastlichkeit (keine Selbstverständlich­keit in anderen Behörden) und offe­riert uns sogar Kaffee. Entwaffnend ist seine Unkompliziertheit, denn damit haben wir nicht gerechnet. Wir warten einen kurzen Augenblick, damit er sei­ne Unterschriften auf die vorbereiteten Dokumente setzen kann und so seine dicke Unterschriftenmappe durch hat.

 

DER UNKOMPLIZIERTE UND LOCKERE „MACHER“

Beim Anblick der hohen Aktenberge, fein säuberlich gestapelt, kann ich mei­ne Neugierde nicht unterdrücken und frage, ob das immer so ist. „Ja, das gehört zur Politik und zu diesem Amt eben dazu“ meint er mit einem ent­waffnenden Lächeln.Jeden Tag erhalte ich eine Vielzahl an Pressemitteilungen und viele davon auch aus der Gemeinde San Bartolomé. Wenn ich mir nur die Fo­tos ansehe, wo Marco Aurelio Pérez zu- gegen ist, dann schätze ich sei­nen Arbeitspensum auf 12 Stunden pro Tag ein. Wieder lächelnd und während er die letzten Dokumente signiert meint der Bürgermeister: „Es sind mehr als zwölf Stunden Ar­beit am Tag, manchmal weit mehr, je nachdem wann die letzten Ter­mine anberaumt sind. Heute bin ich schon seit viertel vor Sieben im Büro und hab nach unserem Interview um 19.00 Uhr den nächsten Termin in Las Palmas. An manchen Tagen muss ich sogar zwei Mal am Tag zwi­schen der Inselhauptstadt und dem Süden pendeln.“

 

Manchmal sieht er seine eigenen Kinder sehr wenig. Immerhin sind diese, ein 18-jähriger Junge und ein 16-jähriges Mädchen, inzwischen in einem Alter, wo sie sich mehr und mehr ihren eigenen Interessen wid­men und auch Verständnis für den Beruf des Vaters aufbringen können.

 

DIE FRÜHE BERUFUNG ZUR POLITIK DES BÜRGERMEISTERS

Marco Aurelio Pérez zog es schon früh in die Politik. Seine Arbeit in Vereinen begann schon im Kindesal­ter in der „Agrupación de Vecinos“, der Bürgervereinigung. Im Jahr 1991 übernahm er erstmals ein offizielles Amt. Zehn Jahre danach wurde er Bürgermeister der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana, das er bis Mitte 2005 bekleidete. Im Juni 2011 übernahm er abermals dieses Amt, das er bis Juni 2015 bekleiden wird.Viele Entscheidungen standen bei seinem zweiten Amtsantritt an, mehr und weniger brisante. Doch Marco Aurelio ist nicht nur unkompliziert, er ist auch ein Mann der Taten und so verschaffte er sich einen Überblick über die Situation und rollte Thema um Thema auf.

 

ERSTE MASSNAHMEN: ZENTRALISIERUNG

Eine wichtige Säule einer Gemeinde ist eine funktionierende Administration. Im April des Vorjahres war die Konsolidierung der öffentlichen Stellen praktisch abgeschlossen. Die Entscheidung dieser Zentralisierung basierte auf einigen Vorteilen, wie z. B. die jährlichen Einsparungen, die gerade aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation Spaniens von Bedeutung sind. Ein anderes, ebenfalls sehr wichtiges Argument war die Verbesserung der Dienst­leistungen für Bürger. Die verschie­denen Abteilungen wie Melde- und Statistikamt oder Bürgermeisteramt befinden sich nun unter einem Dach und man weiß wohin man sich wen­den muss.

 

Ein wichtiger Aspekt ist die Opti­mierung der internen Abläufe. Man kann sich mit den Kollegen besser und schneller abstimmen und so werden Streuverluste bei Informatio­nen verringert. Das Plenum, das die Entscheidungen fällt, befindet sich gleich hier ebenso die wichtige Ein­richtung für die Sozialdienstleistun­gen (Servicios Sociales) sowie das Sportzentrum.

 

DIE SOZIALEINRICHTUNGEN SIND FÜR ALLE DA

„Die Nutzung der Sozialeinrichtun­gen steht allen Bürgern der Gemein­de frei, auch den Ausländern aus dem EU-Raum, sofern sie ihren or­dentlichen Wohnsitz in San Bartolo­mé de Tirajana haben. In diesem Fall haben sie die gleichen Rechte und Pflichten wie die Einheimischen“, er­klärt der Bürgermeister.

 

„Das ist insofern ein wichtiges The­ma, als in der Gemeinde Menschen aus 127 Nationen zusammenleben und das in unvergleichlicher Har­monie“, wie Marco Aurelio unter­streicht. Das ist nicht überall der Fall, wie wir wissen. Daher bemüht sich die Gemeinde laufend um Initiativen der Völkerverständigung, damit dies auch in Zukunft so bleibt.

 

„Wir arbeiten sehr eng mit ausländi­schen Konsulaten zusammen, auch mit dem Deutschen Konsulat Las Palmas“, erläutert er. Immer wieder werden Veranstaltungen organisiert, welche die verschiedenen Kulturen einander näher bringen sollen, sei es für Marokkaner oder für Chinesen. Fehlende Sprachkenntnisse führen oft zur Isolation. Daher werden in diesem Bereich immer wieder Ini­tiativen gestartet, wie z. B. Sprach­kurse: chinesisch für Chinesen aber auch chinesisch für Spanier.

 

 

GEWAPPNET FÜR DIE ZUKUNFT

Eine qualifizierte Ausbildung ist generell wichtig, doch gerade als Tourismusgemeinde muss auch das Ausbildungsniveau entsprechend sein. In El Tablero wird im Schulungs­zentrum Centro de Formación nun insbesondere auf Berufe im Gastro­nomiebereich wie Kellner, Koch etc. Wert gelegt, um diese Dienstleistun­gen verbessern zu können. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen.Doch für den langfristigen Erfolg ist es unumgänglich.

 

WIRD ES EINEN HUNDE­PARK GEBEN?

Daran wird gearbeitet und man ist auf der Suche nach einem geeigne­ten Grundstück, das am Strom- und Wassernetz angebunden ist, sonst kommt es zu teuer. Man möchte ei­nen Park realisieren, der alle Aspek­te der Hundehaltung berücksichtigt. Dieser soll auch eine Tierpension beinhalten, sodass die Besitzer ihre Tiere im Urlaub gut unterbringen können.

 

PROJEKTE & INVESTITIO­NEN MASPALOMAS

Viele (Tourismus)Projekte sind in Arbeit wie z. B. die Schaffung eines Verkehrsnetzes für Radfahrer, die Verkehrsberuhigung, die Schaffung von Fußgängerzonen so wie jüngst in der c/Gáldar in San Fernando etc.Der Rahmen für die Maßnahmen ist der sogenannte PMM „Plan de me­jora y modernización“, der Anfang diesen Jahres im Boletín veröffent­licht wurde. Die Umsetzung erfolgt allerdings unter Berücksichtigung von wesentlichen Aspekten wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Die Natur darf nicht beeinträchtigt werden. In Anbetracht der schwie­rigen wirtschaftlichen Situation des Landes ist wenig Spielraum für kos­tenintensive Investitionen durch die Gemeinde vorhanden und so agiert man mit besten Wissen und Gewis­sen im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten.

 

„Maspalomas ist jedoch nach wie vor für ausländische Investoren inte­ressant“ erläutert Marco Aurelio Pé­rez. Der Bürgermeister umreißt ein neues geplantes 800 Millionen Euro Projekt, das sich gerade auf seinem Tisch befindet (Anm.: Wir geben keine Details). Wenn die Dinge gut durchdacht sind, Sinn machen und professionell ausgearbeitet werden, dann hat im Prinzip jedes Projekt die Chance auf Realisierung. Schließlich lag einst auch die „Maspalomas Gay Pride“ vor zwölf Jahren auf seinem Tisch und ist heute ein fester Be­standteil der Großevents auf Gran Canaria.

 

BESSERE VERMARKTUNG

Es gibt so viele Bereiche, die noch zu wenig bekannt sind, wie z. B. im Agrarbereich. Während Marco Aure­lio einige Produkte daraus auflistet, gerät er geradezu ins Schwärmen. Wir freuen uns über seine zugesagte Unterstützung, den einen oder ande­ren Betrieb besuchen zu dürfen, um für Sie wieder über „Geheimtipps“ berichten zu können - sei es über die besten Käseproduzenten, Bodegas mit sehr guten Weinen, Olivenbau­ern oder Aprikosen-Fincas.

 

Leider ist die Zeit viel zu schnell ver­gangen und unsere Liste an interes­santen Fragen konnten wir gar nicht durcharbeiten. Wir hoffen, dass uns der unkomplizierte Bürgermeister Marco Aurelio Peréz vielleicht dann und wann wieder ein wenig seiner Zeit schenken kann, um für Sie noch mehr zu berichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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