Curating the world artfully

Tomatenbäuerinnen in traditioneller Tracht zur "Fiesta de la Zafra",

El Tablero 2012.

Hier waren es vor allem die Inseln Fuerteventura, Teneriffa und Gran Canaria, für die dieser Sektor zu einem wichtigen Wirtschaftszweig wurde. Auf letzterer Insel waren vor allem die Gemeinden La Aldea, Santa Lucía, Agüimes, Ingenio, Telde und San Bartolomé de Tirajana wichtige Produktionsgebiete.

KANAREN: Das Eldorado für den Tomatenanbau

Einige Faktoren begünstigten das schnelle Wachstum der Tomate und aufgrund des „ewigen Frühlings“ konnte man das ganze Jahr über anbauen. Ein Großteil wurde nach Großbritannien bzw. nach Europa exportiert.  Mit dem Bau der Stauseen Ayagaures und Soría, hatte man genügend Wasser und konnte die Tomatenproduktion weiter vorantreiben.
Diese sorgte in Folge auch für eine große Einwanderungswelle von Erntearbeitern aus anderen Inseln. Im Jahr 1995/1996 waren auf den Kanaren 40.000 Menschen im Tomatenanbau beschäftigt (Anm.: Auf weitere Details gehen wir in unserem Infokasten am Ende dieses Berichts ein).

HARTE Feldarbeit einst und heute

für die "TOMATEROS" und ihre Kinder
Allerdings war die Feldarbeit auf dem steinigen Gelände alles andere als ein Zuckerschlecken, alleine schon wenn man die hier vorherrschenden Temperaturen berücksichtigt. Hände und Kopf mussten vor der gleissenden Sonne geschützt werden, was sich an den traditionellen Trachten widerspiegelt (siehe unseren Bericht über die Tomatenfiesta von El Tablero in Ausgabe Nr. 58). Immer wieder müssen die schnell wachsenden Pflanzen an einer Art Weiden- bzw. Bambusgestell hochgebunden werden und das ist auch noch heute so, wie wir feststellen konnten. Wir besuchten gemeinsam mit dem Agrarverantwortlichen Juan Carlos eine Finca des Tomatenbauers Angel Suarez in El Salobre (siehe Foto links). Die Tourismusgemeinde San Bartolomé war einst nämlich eine Tomatenhochburg.

ZU BESUCH bei Tomatenbauer Ángel Suarez und seiner Frau Lucía

Wir begeben uns in den frühen Morgenstunden zur Finca von Ángel Suarez, der mit seiner Frau Lucía seit vielen Jahrzehnten auf zehn Hektar Grund Tomaten anbaut. Rechtzeitig sind wir gekommen, denn im August beginnt wieder die Tomatensaison, wie wir erfahren.
Von der harten Arbeit sind die Hände zu wahrhaften „Arbeitsutensilien“ geworden, wie wir beim herzlichen Händedruck feststellen konnten. Das Areal ist großflächig mit weißen Planen überdacht, damit die Pflanzen der gleissenden Sonne nicht schutzlos ausgeliefert sind. Die Luft steht förmlich und die Temperatur fühlt sich an als herrschten hier 50 Grad Celsius vor. Automatisch beginnen Rinnsale aus Schweiß an unseren Körpern entlang zu fliessen (verzeihen Sie die Ehrlichkeit).

 

 

ZUR ERNTEZEIT muss es schnell gehen

Bewundernd blicke ich zu Lucía, die beharrlich in gebückter Position die jungen Pflänzchen an die Gestelle bindet und trockene Blätter sowie die untersten Äste entfernt. Das macht sie schon seit acht Uhr morgens, so wie jeden Tag. Und das sagt sie mit einem Lächeln, denn es nutzt ja ohnehin nichts zu jammern. „Das ist das Leben und da muss man durch. Aber ab 11.30 Uhr morgens hält man es nicht mehr aus, dann wird über die Mittagszeit pausiert und frühestens nachts weitergemacht“, erklärt sie und setzt fort „jeden Tag muss ich das ganze Areal durchgehen, denn die Pflanzen benötigen ständig Pflege, damit sie Früchte tragen“. Wenn die Ernte anfällt, dann wird es sehr stressig und dann müssen alle mithelfen, auch die Kinder. Nachdem sie von der Tomatenproduktion nicht mehr leben können, haben diese einen „normalen“ Beruf und helfen in ihrer Freizeit im elterlichen Betrieb mit..

 

NEUE PRODUKTE, um zu überleben
Auf Gran Canaria sind die wichtigsten Tomatensorten die sogenannten „Boludo“, „Doroty“ und die süßen und beliebten „Cherry“-Tomaten. Sie wachsen schnell und ab der Pflanzung bis zur Ernte vergehen etwa sechzig Tage wobei eine Pflanze bis zu zehn Kilogramm abgibt. In Summe sind es etwa 200 Tonnen pro Hektar Fläche.Ángel baut, wie viele andere „Tomateros“, verschiedene Sorten an, um seine Abhängigkeit ein wenig zu reduzieren. Die Samen für seine süßen Cherry-Tomaten bezieht er beispielsweise aus Holland.
Nachdem auch bei ihm große Anbauflächen inzwischen brach liegen, experimentiert er mit Unterstützung der Agrarabteilungen der Gemeinde bzw. auch der Inselregierung mit anderen Produkten, wie z. B. Mango, Papaya. Schließlich muss er Erfahrungen sammeln, bevor er eine Entscheidung fällen kann, die seine Zukunft und die seiner Familie derart betrifft.
Ángel stellt sich den Herausforderungen. Man sieht, dass große Teile seines Anbaugebiets ungenutzt sind, ebenso wie viele am Boden liegende und somit verfaulende Tomaten. Uns blutet das Herz und wir fragen nach dem Grund und erfahren von ihm: „Das Problem ist, dass die Genossenschaft viel weniger Ernte abnimmt, weil sie diese nicht in die EU exportieren kann. Den Endkunden interessiert nur der Preis“ (siehe auch Kasten unten).  

BAUERNMÄRKTE zum Überleben

So gut es geht versucht er, so wie viele andere auch, seine leckeren Tomaten auf den Bauernmärkten an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Man trifft Ángel freitags am Bauernmarkt von Puerto de Mogán an und sonntags abwechselnd in San Fernando de Maspalomas bzw. in Puerto Rico. Unterstützen Sie die heimischen Bauern mit ihren Einkäufen am Markt.

 

 

TOMATENKRISE: EXPORT SANK UM 65 PROZENT

Die Auflagen für die spanischen bzw. kanarischen Tomatenbauern sind sehr hoch und werden streng kontrolliert. Dazu kommen die hohen Personalnebenkosten. Daher können die Produkte mit den Preisen aus Billiglohnländern nicht mithalten. Man ist auf Subventionen angewiesen, um zu überleben. Im Dezember 2010 unterzeichnete die EU mit Marokko ein Importabkommen und das war der Todesstoß für die kanarische Agrarwirtschaft und besonders für die Tomaten. Die jährliche Exportrate lag im Jahr 1975 bei 326.000 Tonnen bzw. 2004 bei 219.871 Tonnen. Im Jahr 2013 ist die Menge um 63,5 Prozent auf nunmehr 80.083 Tonnen geschrumpft. Gesunken ist somit auch die Anbaufläche, nämlich von 4.500 Hektar auf 840. Ebenso drastisch ist natürlich der Rückgang der Arbeitsplätze in diesem Bereich, wo in den Regionen Andalusien, Valencia und den Kanaren um die 12.500 Menschen ihre Existenzgrundlage verloren haben.
Dazu kommt, dass die Subventionen für die kanarischen Bauern seit Jahren nicht ausbezahlt wurden und man seitens der öffentlichen Stellen keine klare Aussagen erhält, wann dies nun geschehen werde. Es gibt inzwischen eine Plattform als Interessensgemeinschaft, die für die Rechte der Tomatenbauern kämpft (Plataforma por la Defensa del Tomate, Frutas y Hortalizas).

Aus unserer Ausgabe Nr. 60 vom

1. August 2014

 

 

 

TOMATENSAISON

 

 

 

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tomatensaison

      IM AUGUST BEGINN DIE SAISON DES "LIEBESAPFELS"

Auf der ganzen Welt ist die Tomate eine begehrte Beere, die sie botanisch betrachtet ist. Dabei erhielt sie ihren Namen erst im 19. Jhdt. denn lange Zeit wurde sie als Liebesapfel bzw. Goldapfel (ital. „pomodoro“) bezeichnet. Bevor die Tomaten ihren Siegeszug rund um den Globus antraten, waren sie ursprünglich in Mittel- und Südamerika beheimatet. Und sogar die Maya und andere Völker kultivierten die „xitomati“ schon etwa 200 v. Chr. bis 700 n. Chr. Kolumbus brachte sie schließlich nach Europa und etwa 1885 begann man auch auf den Kanaren mit dem Anbau der Tomaten.
 

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