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SIMON & FOCKEN AUF GRAN CANARIA

EIN JAHR DANACH - Inhaber und Unternehmensgründer Burkhard Rieck rekapituliert

 

aus Ausgabe Nr. 79 vom 5. Juni 2015

Vor etwas mehr als einem Jahr eröffnete Simon & Focken von der Unternehmensgruppe Invitel ihre erste Auslandsniederlassung in Maspalomas. Der Konzern ist einer der führenden Anbieter von Prozess-Dienstleistungen in Deutschland, der die namhaftesten deutschen Firmen, wie z. B. im Strombereich RWE und Vattenfall, Telekom im Telekommunikationsbereich und viele andere Unternehmen mehr betreut. Mit 1.870 Mitarbeitern nahm Invitel den 14. Platz im Call Center Profi-Ranking 2013 ein und wird in diesem Jahr voraussichtlich sogar die 3.000 Mitarbeiter Marke erreichen. 

 

In unserer Ausgabe Nr. 52 hatten wir die Gelegenheit mit dem Unternehmensgründer und Burkhard Rieck über seine Beweggründe und seine strategischen Ziele und Pläne zu sprechen (Diesen interessanten Artikel haben wir für Sie auch auf unserer Webseite www.viva-canarias.com unter dem Menüpunkt „more/portraits“ zur Verfügung gestellt). Nach nunmehr einem Jahr rekapituliert der Visionär.

 

Der Standort nach deutschem Qualitätsstandard

 

„Der Standort in Maspalomas ist großartig geworden, die technische Anbindung ist unkritisch und die Sprachqualität ist top“ beschreibt Rieck seine erste ausländische Niederlassung. Das war auch sein Ziel, denn er sieht Gran Canaria als gleichwertigen verlängerten Arm seines deutschen Konzerns und ließ sich das auch einiges Kosten. Die Möbel und die Ausstattung des Centers wurden eigens aus Deutschland importiert und entsprechen genau jenen, wie sie im Heimatland zum Einsatz kommen. Bei Arbeitsverträgen und dem Entgelt gilt spanisches Recht mit einer weitgehenden Anpassung an die deutschen Rahmenbedingungen.

 

Standortleiter Herr Wand ergänzt: „Es gab in den Anfangsmonaten einige Verzögerungen bedingt durch die notwendige technische Infrastruktur und den hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards, weshalb die Niederlassung erst am 24. März 2014 in Betrieb ging. Dafür ist das Ergebnis nun umso erfreulicher und das bestätigten auch die Auftraggeber, die bisher das Service Center besuchten. Die anfängliche Skepsis löste sich förmlich in Luft auf und sorgte u. a. für die endgültige Erteilung von neuen Aufträgen.“

 

Finanzpolster und Geduld ist gefragt

 

Wenn man ein neues Projekt beginnt, versucht man alles so gut wie möglich zu planen. Doch die Realität sieht oft anders aus und vieles kann nicht vorhergesehen werden. 150.000 Euro kostete den Konzern die Niederlassung im Jahr 2014. Doch Rieck bekräftigt, dass er an seinen Plänen aus guten Gründen festhält. Es ist ein richtiger Schritt in die Internationalisierung des Konzerns. Als Unternehmer muss man über genügend finanzielle Polster und ausreichend Geduld verfügen, um unerwartete Herausforderungen und Verzögerungen verkraften zu können. Ohne „langen Atem“, wie er sagt, ist man häufig gezwungen, meist kurz vor dem Ziel aufzugeben. Bei Simon und Focken ist diese Gefahr nicht gegeben. Schon jetzt zur Jahreshälfte zeichnet sich klar ab, dass das Ergebnis 2015 weit besser sein wird und der „Laden läuft“. 

 

 

Der Konzernchef rekapituliert: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich deutsche Unternehmer so schwer tun, die Bearbeitung ihrer Aufträge ins Ausland zu verlagern. Besonders das Thema um die Datensicherheit und ob diese tatsächlich nach deutschem Standard behandelt werden, sorgte für Unwohlsein. Letztendlich ist es uns nur mit viel Überzeugungsarbeit, auch von meiner Seite, gelungen, diese Bedenken aus dem Weg zu räumen. Wie schon erwähnt, wir mussten praktisch alle ersten Auftraggeber hierher vor Ort bringen, damit sie sich selbst überzeugen konnten.“

 

Imagewandel erforderlich

Er fährt fort: „Das Image von Gran Canaria als reine Urlaubsinsel war nicht von Vorteil. Außerhalb der Grenzen glaubt man, hier ist nur Party und Sonne. Man nimmt die Kanaren als Wirtschaftsstandort nicht wahr. Es wäre sicher von Vorteil, wenn man von offizieller Seite hier noch mehr Öffentlichkeitsarbeit und eine dementsprechende Vermarktungsoffensive in Europa leistet, um möglicherweise auch andere Investoren zu überzeugen.“

 

Zertifizierung nach Deutschem Standard

Diese eingangs erwähnten Gründe haben dazu geführt, dass sich der Konzern dazu entschlossen hat auch die Niederlassung in Maspalomas nach deutschem Standard (ISO 9001, EM15838) zertifizieren zu lassen, um so das Vertrauen der Auftraggeber und potenzieller neuer Kunden zu sichern.

 

"Dabei Sein..." bei den Profis

Herausforderung: Mitarbeitersuche

Mit dem Slogan „Dabei sein...“ startete der Konzern eine groß angelegte Marketingoffensive, um die angepeilte Mitarbeiterzahl von 45 in seiner elften Niederlassung so schnell wie möglich zu erreichen. Dieses Ziel konnte mit einem halben Jahr Verspätung erst jetzt erreicht werden. Die Personalsuche zeigte sich schleppend, zu sehr ist das Image der Branche auf der Insel geschädigt gewesen. Auch die Qualität der Mitarbeiter wurde anders eingeschätzt. 

 

Rieck erläutert: „Die eingestellten Mitarbeiter sind toll und haben eine hohe Motivation. Allerdings hatte ich nicht mit so einer hohen Personalfluktuation gerechnet. Manche müssen aus gesundheitlichen Gründen wieder in die Heimat, um ihre Familie zu pflegen, andere haben Trennungsschmerz und wieder andere, sind einfach von heute auf morgen ‚verschwunden‘. 

 

Standortleiter Herr Wand ergänzt: „Die ersten Bewerber hatten fast durchgängig ein relativ hohes Alter von etwa 45 Jahren aufwärts. Dementsprechend war diese Generation nicht so fit mit dem Umgang mit dem PC. Der Schulungsaufwand und die damit verbundenen Kosten waren enorm, insbesondere im Vergleich zu Deutschland. Erst jetzt wagen sich immer jüngere Menschen sich auch zu bewerben, die für die Bearbeitung der neuen Aufträge ideal geeignet sind und sich mit PCs schon auskennen, was den Schulungsaufwand deutlich senkt.“

 

Es läuft rund: Weitere Expansion

„Die Niederlassung in Maspalomas läuft inzwischen rund und wir konnten neue zusätzliche Auftraggeber aus Deutschland gewinnen, wie z. B. 1 und 1, Pizza.de sowie dem Verlag für Wirtschaft”, erfahren wird und Rieck setzt fort: „Wir werden also weitere Mitarbeiter benötigen und aus diesem Grund habe ich zusätzlich Bürofläche zwei Etagen über unserem Standort im Centro Sonnenland angemietet, die zunächst für über 30.000 Euro umgebaut werden muss.

 

Lateinamerikanischer Markt: Know-How Transfer

Riecks Vision eines Tages in der zweiten Phase der Internationalisierung ein 500 Mitarbeiter umfassendes Center in Las Palmas de Gran Canaria zu haben, das den spanischen bzw. lateinamerikanischen Markt bearbeitet, scheint einen Schritt näher gerückt zu sein. Diese obere Etage im Centro Sonnenland ist für den Aufbau dieser spanischen Schiene gedacht, die von Herrn Jimenez geleitet wird. Man arbeitet bereits  an Bewerbungen für öffentliche Ausschreibungen und wird spanische Servicemitarbeiter einstellen, wenn erste Aufträge erteilt werden bzw. Ausschreibungen gewonnen werden. Aufgrund des Kennenlernens des spanischen Arbeitsmarktes kann sich Rieck zwischenzeitlich auch vorstellen, deutschsprachige Spanier in der Unternehmensgruppe als Fach- oder Führungskräfte einzustellen. So könnte beispielsweise ein „Bereichsleiter IT Konzern” sofort eingestellt werden.

 

Denkbar seien mitunter neun Monate lange Austauschprogramme, wo die Fachkräfte in beiden Ländern zum Einsatz kommen. Solche Programme werden von den kanarischen Behörden angeboten, die hierfür auch finanzielle Unterstützung leisten.

 

Unterstützung durch Behörden

 

Persönlichkeiten und öffentliche Vertreter waren bei der Eröffnung der ersten ausländischen Niederlassung in Maspalomas am 24. März 2014 dabei (siehe Foto vorige Seite). Sie sagten ihre volle Unterstützung zu. Dieses Versprechen hat man auch eingehalten, wie ich erfahre. Herr Wand erläutert stolz: „Es lief eine Schulungsinitiative in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt, in der Mitarbeiter lokal gefördert wurden. Wir sind das erste und einzige Service Center auf Gran Canaria, das diese Unterstützung von offizieller Seite erhalten hat. Der einzige Wermutstropfen ist der unverhältnismäßig hohe administrative Aufwand, ‚Papier Overkill‘, sozusagen. Wir möchten das Projekt auch bei der spanischen Personalsuche in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt wiederholen, allerdings müssen dazu die Abläufe und die Administration optimiert werden. Die Abstimmungen dazu laufen bereits“.

 

Fazit:

Alles in allem ist Rieck mit der Entwicklung, auch wenn sie etwas länger dauert als erwartet, zufrieden, hat viel gelernt und ist sich sehr sicher, dass der Schritt nach Gran Canaria zu gehen, richtig war.