RECHTSTIPP Nr. 61

STEUERRECHTLICHE VERÄNDERUNGEN 2015

Viva Ausgabe Nr. 69, 2. Januar 2015

 

 

 

 

- Einkommenssteuer,
- Körperschaftssteuer und
- Erbschaftssteuer

 

Am Ende des Jahres zieht man meistens Bilanz. Man denkt über das gesamte vergangene Jahr nach und fragt sich, was uns das neue Jahr bringen wird. Wir Anwälte machen das auch, allerdings aus unserem besonderen Gesichtspunkt. In diesem Bericht werden wir darüber berichten, was sich in letzter Zeit in den spanischen Steuergesetzen  geändert hat und was sich im Jahre 2015 voraussichtlich ändern wird.

 

 

DIE KANARISCHE SONDERZONE (ZONA ESPECIAL CANARIA - ZEC) UND DIE KANARISCHE INVESTITIONSRÜCKLAGE

Das Real Decreto-ley 15/2014 (de 19 de diciembre, de modificación del nuevo Régimen Económico Fiscal (REF) de las Islas Canarias) sieht eine Verlängerung der Dauer der kanarischen Sonderzone bis zum Jahre 2020 vor (für ZEC-Gesellschaften bis 2026) sowie die Abschaffung einiger Voraussetzungen (z.B. dass die ZEC–Firmen nicht mehr nur in bestimmten Zonen ihren Sitz haben müssen) und eine erhebliche Erweiterung des Aktivitätenkatalogs. Die Steuerersparnis der ZEC-Gesellschaften wird erweitert:

Die Bemessungsgrundlage, bei der man den begünstigten Steuersatz von 4% anwenden kann, ist erheblich angehoben worden (z.B. bei zehn Arbeitsplätzen zahlt man für die ersten 4 Millionen Gewinn nur diese 4% Steuer - früher war das nur für die ersten 1,5 Millionen der Fall). Auch die steuersparende „kanarische Investitionsrücklage“ („reserva de inversiones en Canarias“) wird flexibler gestaltet: Sowohl die Schaffung von Arbeitsplätzen (die Löhne gelten als Investition) als auch Investitionen in Firmenanteile wird steuersparend wirken. Steuerbegünstigungen aufgrund Investitionen in benachbarten afrikanischen Ländern (15% Steuerabzug), Investitionen in Technologie auf den Kanaren (42% Steuerabzug, früher 32%) und Investitionen in Filmdreharbeiten wurden ebenfalls mit diesem neuen Gesetz genehmigt. Wenn wir nicht zum neuen Hong Kong am Atlantik werden, verstehe ich die Welt nicht mehr.

 

 

SELBSTSTÄNDIGE

Das ist neu: Seit Juli 2014 findet bei Selbstständigen eine Steuereinbehaltung (retención) von 15% bei Einkommen unter 15.000 € Anwendung, wenn das Einkommen aus ihrer Tätigkeit mindestens 75% ihrer Gesamteinkommen darstellt.  Die normale Steuereinbehaltung bei Selbstständigen wird ab 2015 19% und ab 2016 18% betragen. Aber die endgültigen Steuersätze verändern sich kaum, also, na ja, unsere Begeisterung hält sich in Grenzen. Die Pauschalbesteuerung wird nicht mehr möglich sein wenn man jährlich mehr als 150.000 € Umsatz oder Kosten hat (bisher 450.000 € Umsatz oder 300.000 € Kosten). Des Weiteren wird die Pauschalbesteuerung abgeschafft, wenn der Großteil des Umsatzes von andere Firmen stammt. Auch wird die Pauschalbesteuerung in der Baubranche gestrichen.

 

 

KÖRPERSCHAFTSSTEUER

Der Körperschaftssteuersatz der kleinen Firmen (bis 10 Millionen Euro Umsatz) ändert sich auch: Er wird im Jahr 2015 28% betragen und im Jahr 2016 25% (bisher 30%). Es gibt auch einen begünstigten Steuersatz (15%) für neugegründete, kleine Unternehmen (bis 300.000 € Steuergrundlage). Kleine Firmen können auch eine neue Rücklage bilden („reserva de nivelación” von bis zu 10% des jährlichen Gewinnes und bis maximal insgesamt einer Millionen Euro), um eventuelle Verluste der nächsten 5 Jahre auszugleichen. Für diese Rücklage werden vorerst keine Steuern gezahlt. Die Unternehmen können jetzt die Zahlungen an Ihre Geschäftsführer in der Körperschaftssteuer absetzen. 

 

 

STEUERKLASSEN UND STEUERSÄTZE DER EINKOMMENSTEUER

Ab 2015 wird es fünf („escalas“) anstatt sieben Steuerklassen geben. Dadurch werden im Jahre 2015 theoretisch diejenige, die weniger als 20.000 Euro im Jahr (oder mehr als 120.000 €) verdienen, etwas weniger Einkommensteuer zahlen. Für jene Mieter, die niedrigere Einkommen haben, wird aber dieser Vorteil leider wettgemacht, da die Steuerabzüge für Mieten gestrichen werden. Vielen Dank, Partido Popular, (Volkspartei, konservativ). In der Einkommensteuer (Impuesto de la Renta de las Personas físicas, kurz „IRPF.“) gibt es neue „Steuereinbehaltung“ („retención“), bitte nicht verwechseln mit den Steuersätzen. Eine „retención“ wird auf Rechnungen von einem Freiberufler angegeben, wenn der Zahler eine Firma oder ein anderer Freiberufler ist. Es gibt einen festen Prozentsatz, der vom Rechnungszahler einbehalten wird, um ihn anschließend an das Finanzamt abzuführen. Für Freiberufler beträgt dieser Satz ab 2015 19% (18% im Jahre 2016) bzw.  9% wenn der Freiberufler oder Unternehmer weniger als 15.000 € Umsatz im Jahr macht. Zahlungen an Angestellte in Form von Anteilen an der eigenen Firma  (wenn alle Mitarbeiter sie gleich erhalten, bis max. 12.000 € /Jahr) sind steuerfrei.  Für Verwalter bzw. Geschäftsführer von Gesellschaften wird der Steuerabzug ihrer Vergütungen erheblich sinken: 20% (2015) und 19% (2016). Bei Gesellschaften mit jährlichen Umsatz von mehr als 100.000 € betragen die Steuerabzüge 37% im Jahr 2015 und 35%  im Jahr 2016.

 
 
Zinsbesteuerungen

Bei Zinsbeträgen unter 6.000 € im Jahr beträgt der Steuersatz der Einkommensteuer (nach Abzug des „persönlichen Einkommensminimums“ „mínimo personal y familiar“) 20% im Jahr 2015 und 19% im Jahr 2016  (jetzt 21%). Zinsbesteuerungssatz bei Beträgen zwischen 6.000 € und 50.000 € pro Jahr: 22% im Jahr 2015 und 21% im Jahr 2016 (heute 25%).  Zinsbesteuerungssatz bei Beträgen über 50.000 € pro Jahr: 24% im Jahr 2015 und 23% im Jahre 2016 (heute 27%); Bei Nicht-Residenten betragen die jeweiligen Prozentsätze 19%, 21% und (neu) 23%.

 

 

Kündigungen

Beschränkung der Steuerfreiheit der Entschädigungen bei Kündigung eines Arbeitnehmers: Steuerfrei bleiben Entschädigungen nur bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Summe und bis maximal 180.000 € (es gibt aber als außerordentliches Einkommen einen steuerfreien Betrag von 30%, bisher 40%).

 

 

Gesellschaft Bürgerlichen Rechts - ade!

Die sogenannten „sociedades civiles“ (in etwa gleich mit der deutschen Gesellschaft bürgerlichen Rechts - GbR) werden in Zukunft  Körperschaftssteuer zahlen. D.h., dass die Gesellschafter keine Einkommensteuer sondern ab jetzt (normalerweise) 25% Körperschaftssteuer zahlen werden. Bisher wurden sociedades civiles oft mit einem einfachen Vertrag von Menschen gegründet, die beispielsweise zusammen eine Bar oder ein kleines Geschäft betreiben wollten und dafür keine richtige Handelsgesellschaft gründen wollten. Dabei hatten sie jedoch keine Haftungsbeschränkung wie z.B. bei einer GmbH.

Bisher hat jeder der Geschäftspartner seinen Anteil am Gewinn selbst besteuert (und zwar in seiner Einkommensteuererklärung). Ab 2015 muss eine sociedad civil Körperschaftssteuer zahlen. Die Steuerberater freuen sich. Das macht diese Art von Gesellschaften unpraktisch und deren Auflösung wird darum vom Gesetzgeber im ersten Semester 2015 steuerrechtlich begünstigt: Keine Zahlung der Impuesto de Actos Jurídicos Documentados (Beurkundungssteuer), keine Zahlung der Plusvalía (Wertzuwachssteuer) und Begünstigung bei der Gewinnsteuer.

 

 

RENTENFONDS

Rentenfonds werden von den wohlhabenden Bürgern oft benutzt, um weniger Steuern zu bezahlen. Die Summe, die man sich ab 2015 von der Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer abziehen kann, beträgt lediglich 8.000 € (anstatt 10.000 € bzw. 12.500 ab 50 Jahre wie bisher). Neu ist auch: Damit auch jüngere Steuerzahler in diese Fonds investieren  kann man nach 10 Jahren das Geld ohne Steuerbestrafung zurückerhalten. Das heißt, man muss also nicht mehr bis zur Rente warten.

 

 

IMMOBILIENVERKAUF

Bisher war es so: Nach einem gewinnbringenden Immobilienverkauf konnte man den Gewinn bei der Besteuerung auf zwei Arten vermindern:

a) mit dem sogenannten „coeficiente de actualización” (Inflationskorrektur nach einer offiziellen Tabelle) und

b), nur bei Immobilien die vor dem 31/12/94 erworben worden waren: mit dem sogenannten „coeficiente de abatimiento” (11,11% weniger pro Jahr, in dem man die Immobilie besessen hat).

Die Aktualisierung des Kaufpreises zur Bestimmung des Gewinnes beim Verkauf einer Immobilien wird nun verändert, was eine erhebliche Erhöhung der Gewinnsteuer mit sich bringen wird: Die Inflationsbereinigung wird komplett abgeschafft (!) und das „Abatimiento-Rabatt“ (bisher nur für Immobilien, die vor 1994 erworben wurden, anwendbar) findet nur für bis zu den ersten 400.000 € des Preises Anwendung. Eine richtige Schande, also: die Regierung besteuert die Inflation, Gewinne die es gar nicht wirklich gibt... Der Gewinn ist nicht nur steuerfrei wenn man die Summe in eine neue Wohnung investiert, sondern ab 2015 auch dann (bei Verkäufern über 65 Jahre), wenn man  die eigene Wohnung verkauft, um sich eine lebenslängliche Rente zu sichern.

 

 

VERSTEIGERUNGEN UND HYPOTHEKEN

Wenn man die eigene Wohnung verliert, weil man die Hypothek nicht zahlen kann (entweder bei einer Versteigerung oder weil man sich mit der Bank einigt und die Immobilie der Bank übertragen wird), wird keine Einkommensteuer-Gewinnsteuer und auch keine Bodenwertzuwachssteuer (impuesto de plusvalías) gezahlt. Dies ist sogar rückwirkend beschlossen worden (und gilt ab 2010)! Na ja, da hat die Regierung doch ein bisschen Menschlichkeit gezeigt...

 

 

MIETEN

Der Steuerabzug für Mietwohnungen (10,05% der bezahlten Mieten)  für Steuerzahler mit Einkommen unter 24.107,20 € wird ab 2015 abgeschafft. Ausnahmsweise gilt der Steuerabzug für diejenige weiter, die sich bereits in den Vorjahren von diesem Abzug begünstigten und deren Mietverträge vor 2015 unterschrieben wurden. Die zukünftigen Mieter werden also diese Mieten nicht ihren Steuererklärungen angeben können, das Finanzamt wird weniger Information erhalten, und die Vermieter werden also vermehrt die Mieten schwarz kassieren wollen und das Finanzamt weiter munter betrügen (!). Ebenfalls entfällt der Steuerabzug für Investitionen in die sogenannten „sociedades limitadas nueva empresa“ (eine neue Art von kleinen GmbHs). Für den Vermieter verschlechtert sich die Lage auch: Vermietet er an junge Leute (unter 35 Jahren) muss er ab 2015 40% der Miete versteuern (bisher steuerfrei!).

 

AUSSERORDENTLICHE EINKOMMEN

Bisher gab es für außerordentliche und unregelmäßige Einkommen einen Steuerabzug von 40%. Ab 2015 wird er auf  jetzt nur noch 30% reduziert.

 

 

NEU: EXIT-STEUER

Einführung der sogenannten „Exit-Steuer“. Auswandernde Investoren, die zehn der letzten fünfzehn Jahre in Spanien ansässig waren und Anteile an Firmen mit einem Wert von mindestens 1 Million Euro besitzen, müssen die Wertsteigerung besteuern.

 

 

ERBSCHAFTSSTEUER

Mit dem Gesetz 26 vom 27.11.2014 wurde die Erbschaftssteuer im Sinne des Urteils des Europäischen Gerichthofs vom 3.9.2014 verändert. Dies besagt, dass Spanien die nicht Residenten in der Erbschaft- und Schenkungssteuer bisher diskriminiert hat. Ist der Erbe oder Beschenkte in der EU oder im sogenannten Europäischen Wirtschaftsraum ansässig, kann das Steuergesetz des spanischen Bundeslandes (Comunidad Autónoma), in dem sich der Großteil der geerbten Güter befinden, oder das Steuergesetz von dem spanischen Bundesland, in dem der Verstorbene in Spanien gelebt hat, gewählt werden. Bei Schenkungen kann das Steuergesetz von dem Ort, in dem sich die Immobilie befindet, gewählt werden.

 

 

NICHT RESIDENTEN-STEUER

Zur Förderung der europäischen Freizügigkeit können Nicht-Residente die Residentenbesteuerung wählen (das ist nur für Leute interessant, die geringe Einkommen haben). Wenn man in Spanien gelebt hat und seine eigene Wohnung verkauft, kann man die Befreiung der Gewinnsteuer nutzen, auch wenn man im Ausland die neue Wohnung kauft. Der allgemeine Steuersatz für Europäer sinkt erheblich: 20% (2015) und 19% (2016) – anstatt der jetzigen 24,75%. Das Gesetz beinhaltet auch neue Regelungen für Steuerzahler mit Einkommen in Steuerparadiesen und für Zahlungen von Filialen an Firmen im Ausland.

 

 

ÄNDERUNGEN IGIC

Die Kanarische Mehrwertsteuer (IGIC) und die spanische Mehrwertsteuer werden auch teilweise geändert. Diese Änderungen sind aber zu kompliziert, um sie hier zu komplett zu schildern.  Vielleicht im nächsten Artikel.

 

 

Ich hoffe, der Artikel  war diesmal nicht zu trocken, aber Steuern sind ein sehr wichtiges Thema für uns alle!

 

 

Denn – wie wir wissen – „Unkenntnis schützt nicht vor Strafe“.

 

 

Mit freundlichen Grüßen,

José Antonio Pérez Alonso, Rechtsanwalt

kanzlei_perez_alonso@hotmail.com


 

 

 

© 2013 by Julija Major - Viva Canarias

© 2018 by Viva Canarias Publicaciones S.L.