RECHTSTIPP Nr. 56

PFLANZEN & GÄRTEN (II)

Viva Ausgabe Nr. 62, 26. September 2014

 

 

 

Da wir immer noch in Sommerstimmung sind, werden wir uns erneut mit dem Thema „Pflanzen“ befassen. Natürlich werden wir es weiterhin aus dem Gesichtspunkt eines Anwaltes behandeln, denn als Anwalt sieht man die Welt halt anders: Ob man will oder nicht, man kann kaum ein Thema ohne die „Brille“ des Gesetzes betrachten, denn die Ausbildung beeinflusst die Art und Weise wie man jedes Phänomen erlebt.

 

 

MULTI-KULTI FLORA

Schauen wir uns also heute den Garten unseres Hauses oder Bungalowanlage an. Dort gedeihen und wachsen (mit etwas Glück) oder mindestens überleben mit Mühe (wenn unser Gärtner nicht so fähig ist) verschiedene Pflanzenarten aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Die wenigsten (vielleicht eine schöne kanarische Palme, oder der große kaktusartige Cardón) kommen aus den Kanaren. Die widerstandsfähigen Aloen, mit ihren gelben oder roten Blumen, kommen aus Arabien; die stacheligen Feigenkakteen, aus Mexiko; die eleganten königlichen Palmen, aus Kuba; die bunten Bougainvilleas aus den Pazifikinseln, die rotblühenden Feuerbäume aus Madagaskar; der Tipubaum und die Cassias, mit ihren gelben Blüten, aus Südamerika; die wohlriechenden Feigenbäume, aus Asien; die mächtigen Eukalyptusbäume, aus Australien; die stechenden Kakteen, aus Amerika; die genügsamen Geranien, aus Südafrika; die bunten Hibiskus, aus Südamerika, usw.

Wie Sie sehen, hat es sich also mittlerweile auf den Kanaren eine bunte (und extrem „multi-kulti“) Mischung von Pflanzen und Bäumen aus allen warmen, subtropischen Ländern der Welt gebildet...

Welche Pflanzenarten sich am Ende in unseren Gärten oder in der Natur behaupten, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Erst einmal spielt der menschliche Geschmack (und teilweise sogar die Mode) eine Rolle. Unsere Pflanzen brauchen hier nicht frostfest zu sein, aber dafür müssen sie unsere starke Sonneneinstrahlung und gelegentliche Hitzewellen oder Trockenperioden aushalten (wenn unser Gärtner im Urlaub ist oder streikt...). Wichtig ist auch dass jede Pflanzenart entweder sonnige, oder schattige Plätze bevorzugt, und eine bestimmte Art Erde. Sie müssen auch die erbitterte Konkurrenz (um Wasser, um Licht, um Platz) der anderen nahe gelegenen Pflanzen aushalten, und das aggressive Ungeziefer das immer unsere Pflanzen (und nicht die vom Nachbar) frisst... Ein leiser Krieg findet ständig vor unseren Augen statt, ohne dass wir das merken. Viele Faktoren verschiedener Arten üben auf eine interessante, sozusagen darwinistische Art und Weise, ihren Einfluss aus.

Angenommen, Sie haben als schlauer Gärtner das alles bereits beachtet, gibt es aber einige legale Kriterien die man auch beachten sollte und einige juristischen Fragen die ich im Folgenden beantworten werde.

 

 

WAS DARF ICH PFLANZEN?

A) Was darf ich pflanzen, wenn ich Mieter und kein Eigentümer bin? Darf ich die Mangos pflücken wenn ich eine Finca gemietet habe? Darf ich Bäume fällen, oder den Garten verändern? Muss ich den Rasen gießen oder behalten? Muss das der Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft machen?

Was Sie im Garten pflanzen dürfen hängt natürlich von Ihrem Mietvertrag an. Sollte der Garten im Mietvertrag nicht besonders erwähnt werden, dürfen Sie den Garten normal nutzen, ohne ihn nicht radikal zu ändern (bitte den Rasen nicht wegmachen, keine Bäume fällen oder pflanzen, usw.).

Den Garten müssen Sie als Mieter wie das restliche Haus auch pflegen, damit Sie Ihre Mietkaution am Ende der vertraglichen Lauffrist zurückerhalten und, um dem Vermieter keinen berechtigten Kündigungsgrund zu geben. Die Früchte dürfen Sie pflücken und genießen...

Was Sie aber pflanzen wird eventuell Ihr Nachmieter pflücken... In vielen Bungalowanlagen (vor allen, wo die Eigentümer oft abwesend sind) kümmert sich der Comunidad-Gärtner nicht nur um die gemeinschaftlichen Gärten, sondern auch, praktischerweise, um die privaten Gärten. Oft ist das in der Gemeinschaftsumlage inklusive. Sonst (also, verlangt man dafür einen Aufpreis), kann der Eigentümer oder Mieter seinen privaten Garten selbst pflegen, um nichts dafür zahlen zu müssen.

 

Gibt es Pflanzen, die man nicht pflanzen darf? Wieso?

Damit sich bestimmte Pflanzen nicht verbreiten, die Einheimische verdrängen, sich mit ihnen vermischen oder Seuchen verursachen könnten, hat die EU  die Staaten dazu verpflichtet, ihre eigenen Arten zu schützen (Richtlinie) 2009/147; die spanische Regierung hat auch per Gesetz (Real Decreto 630/2013, de 2 de agosto, por el que se regula el Catálogo español de especies exóticas invasoras) verboten, folgende Pflanzen in Gärten zu besitzen, transportieren, verkaufen, oder auf dem Lande zu pflanzen.

 
 
LISTE VERBOTENER PFLANZEN

Bestimmte Arten kann man nur nicht auf den Kanaren pflanzen, andere darf man nur auf den Kanaren pflanzen u. s. w. (Die Liste finden Sie am Ende des Artikels.) Manche sind trotz der Verbote sehr weit verbreitet.

 

Die grössten Irrtümer und häufig gestellte Fragen:
 

• Darf ich eine oder mehrere Marihuanapflanze in einem Blumentopf haben?

Nein. Drogenherstellung wird in Spanien hart bestraft. Glauben Sie nicht was Sie darüber im Internet lesen...

 

• Die Gärten meiner Anlage sehen desolat aus, weil der Gärtner der Liebhaber der Präsidentin ist und von Pflanzen keine Ahnung hat. Darf ich im Gemeinschaftsgarten der Bungalowanlage selbst Pflanzen, oder mich um die vernachlässigten Gemeinschaftsgärten kümmern? Darf ich dort einige wunderschönen Gartenzwerge stellen, die ich aus Deutschland gebracht habe?

Sollte sich der Gemeinschaftsgärtner viel zu wenig um den Gemeinschaftsgarten kümmern, sollten Sie das bei der Verwaltung anmahnen und reklamieren, aber nicht aufhören, die Umlagen zu bezahlen. Sie dürfen auch nicht ungefragt Hand auf die gemeinschaftlichen Gärten legen.

 

• Der Gärtner der Anlage pflegt nur die Gärten vor den Häusern der „Freunde“ des Präsidenten, aber den Garten vor meinem Bungalow vernachlässigt er extra, um mich zu ärgern... Was kann ich tun?

Reklamieren, klagen, oder als Präsident selbst kandidieren. Danach werden vielleicht andere Zonen vernachlässigt...

 

• Die neue Präsidentin der Bungalowanlage will sämtliche Palmen der Comunidad beseitigen lassen, sie meint, sie sind hässlich und dreckig, und ziehen diese lästigen, lauten, grünen Papageien an. Kann sie das allein entscheiden?

Nein, das sollte die Eigentümerversammlung beschließen. Außerdem: Kanarische Palmen sind eine vom Gesetz geschützte Art; man braucht gute Gründe und eine Genehmigung der Gemeinde um sie zu fällen.

 

• Muss sich der Gärtner der Bungalowanlage um meinen privaten Garten kümmern?

Nein, es sei denn, er hat den Auftrag der Gemeinschaft bekommen, und Sie lassen ihn auch dran. Sie können aber auch dem Gärtner sagen, Ihren privaten Garten darf er nicht betreten denn ihn pflegen Sie selbst.

 

• Wenn der Avocado-Baum meines Nachbars seine Zweige über meinem Grundstück ausbreitet, darf ich diese Zweige schneiden? Und darf ich die auf meinem Grundstück hängenden Avocados pflücken?

Nein, diese Früchte gehören Ihrem Nachbar. Aber Sie dürfen von ihm verlangen, dass die Zweige, die über dem Grenzzaun herausragen, geschnitten werden (Art. 592 Código Civil).

 

• Die Wurzeln vom (riesigen!) Gummibaum der Nachbarin schleichen sich in meinen Garten... Darf ich sie abschneiden? Ja.

 

• Die Wurzeln vom Ficus Benjamina der benachbarten Bungalowanalage haben die Röhre meines Pools verstopft und kaputtgemacht. Wer haftet?

Der Eigentümer des Baumes (also in diesem Fall die Nachbaranlage) haftet für die Schäden, die dieser Baum verursachet.

 

• Meine Nachbarin verbrennt regelmäßig ihre Gartenreste in ihrem Garten. Darf sie das?

Nein, das ist in den meisten Gemeinden verboten. Man darf die Gartenreste weder verbrennen noch mit dem normalem Hausmüll entsorgen. Dieser sollte von einer Firma separat entsorgt (und hoffentlich  recycelt) werden. Übrigens: Auch um Bäume in Ihrem eigenen Garten zu beseitigen benötigen Sie eine Lizenz der Gemeinde...

 

• Darf ich mir vom Gemeinschaftsgarten einige Blümchen, Blätter oder Ableger holen?  Damit könnte ich unseren Tisch am Abendessen romantisch schmücken für meinen Schatz...

Eigentlich dürfen Sie das nicht. Allerdings kannten die Römer bereits das sogenannte „ius usus inocui“... Wenn das niemandem schadet, und keiner protestiert, ist das OK.. Allerdings: Es steht unter hoher Strafe, bestimmte wilden Pflanzen von den Feldern zu pflücken, sammeln oder zerstören, also bitte tun Sie das nicht.

 

• Was für eine Strafe gibt es, wenn ich die Gartenzwerge meines Nachbars klaue oder zerstöre?

Eine kleine Geldstrafe, solange die Zwerge unter 400 € Wert sind und Sie nicht über eine Mauer oder ein Zaun geklettert sind oder Schlösser kaputtgemacht haben um die Straftat zu begehen...

 

• Eine Palme vom Gemeinschaftsgarten ist so hoch gewachsen, dass ich aus meinem Appartement die schöne Sicht aufs Meer verloren habe. Darf ich verlangen, dass die Palme gefällt wird?

Man muss in diesem Fall annehmen, dass die Palme jahrelang gewachsen ist und dass Sie das auch so stillschweigend angenommen haben. Darum können Sie nicht verlangen, dass sie jetzt gefällt wird. Es ist also wichtig, rechtzeitig gegen Baumpflanzungen zu reagieren, wenn man meint, sie könnten uns in der Zukunft schaden.

 

• Darf ich im privaten Garten meines Bungalows jede Art Baum pflanzen? Gibt es Beschränkungen wenn ich in einer Anlage wohne?  Darf ich einen Baum an der Grenze zum Nachbargrundstück pflanzen?

Zuerst müssen Sie die Verordnungen der Eigentümergemeinschaften oder der Gemeinde befolgen. Sie dürfen keine Bäume pflanzen, deren Wurzeln oder Äste den Nachbarn schaden können. Die Bäume dürfen Sie nicht an der Grundstücksgrenze pflanzen (sollte eine Verordnung nichts Anderes bestimmen muss man einen Mindestabstand von 2 Metern bei hohen Bäumen oder eine halben Meter bei Büschen oder kleinen Bäumen, Art. 591 Código Civil). Im Lande muss man andere Distanzen wahren, (Real Decreto 2661/67 de zonas agrícolas y praderas). Es gilt eine zwanzigjährige Verjährungsfrist, darum: Sollte der Baum aber schon länger als 20 Jahre stehen ohne dass  wir bekanntlich protestiert hätten, kann man nicht mehr verlangen, dass er gefällt wird.

 

mit freundlichen Grüßen,

José Antonio Pérez Alonso

Abogado – Rechtsanwalt

 

 

PFLANZEN, DIE AUF DEN KANAREN VERBOTEN SIND

Lateinischer Name                                    verboten in                         spanischer Name

Acacia dealbata                                        ausn. Kanaren/Balearen       Mimosa, acacia, acacia francesa

Acacia farnesiana                                      Kanaren                              Acacia,aromo, carambuco, mimosa

Acacia salicina Lindl.                                 Kanaren                              Acacia de hoja de sauce

Ageratina adenophora                              Kanaren                              Matoespuma

Ageratina riparia                                      Kanaren                              Matoespuma fino

Arbutus unedo L.                                      Kanaren                              Madroño

Arundo donax L.                                      Kanaren                              Caña, cañavera, bardiza, caña silvestre

Atriplex semilunaris Aellen                        Kanaren                              Amuelle

Calotropis procera (Aiton)                        Kanaren                              Algodón de seda

Centranthus ruber (L.)                               Kanaren                              Hierba de San Jorge

Cyrtomium falcatum (L. f.)                         Kanaren                              Helecho acebo

Cytisus scoparius (L.)                                Kanaren                              Retama negra

Eschscholzia californica Champ.                 Kanaren                              Amapola de California, dedal de oro

Furcraea foetida (L.)                                 Kanaren                              Pilera abierta

Ipomoea indica (Burn)                               Kanaren, Balearen               Campanilla morada, batatilla de Indias

Leucaena leucocephala (Lam.)                   Kanaren                              Aromo blanco

Maireana brevifolia (R. Br.)                        Kanaren                              Mato azul.

Nassella neesiana (Trin. & Rupr.)                Kanaren                              Flechilla

Pennisetum clandestinum Hochst.              Kanaren, Balearen               Quicuyo

Pennisetum purpureum Schum.                  Kanaren                              Pasto de elefante

Phoenix dactylifera L.                                Kanaren                              Palmera datilera

Ricinus communis L.                                  Kanaren                              Tartaguero

Spartium junceum L.                                 Kanaren                              Retama de olor

Ulex europaeus L.                                     Kanaren                              Tojo

 

Spanienweit verboten, nur auf den Kanaren erlaubt sind folgende Pflanzen:

Acacia dealbata                                        Kanaren und Balearen          Mimosa, acacia, acacia francesa

Carpobrotus acinaciformis (L.)                   außer Kanaren                     Hierba del cuchillo, uña de gato, uña de león

Cortaderia spp.                                        außer Kanaren                     Hierba de la pampa, carrizo de la pampa

 

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