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Clemente Reyes, Präsident des Kanarischen Presa Canario Vereins beim Training

PRESA CANARIO

das wappentier von gran canaria

Unternehmerportrait aus Ausgabe Nr. 33

Kraftvoll und stolz präsentiert sich das muskulöse Wappentier von Gran Canaria, der Presa Canario. Von der Kanarenregierung wurde diese Hunderasse im Jahr 1991 zum Natursymbol (Símbolo de la Naturaleza) erklärt. Züchter beschreiben den Presa Canario als perfekten Wach- und Familienhund, treu ergeben und folgsam. Andere erschaudern schon beim Anblick der bis zu 70 Kilogramm schweren Tiere, und in Zürich ist die Rasse überhaupt verboten. Doch was ist dran an der Panikmache?

EIN BLICK ZURÜCK IN DIE GESCHICHTE
 

Die Stärke dieser Tiere machten sich die Menschen schon im Mittelalter zunutze. Als Packer halfen sie Wild zu erlegen, als Treibhund und sogar als Kriegshund reisten die Tiere während der Eroberungen der Konquistadoren bis nach Südamerika mit. Aufgrund ihres ausgeprägten Schutzinstinkts, gepaart mit ihrer körperlichen Stärke und dem furchteinflößenden Knurren waren sie lange Zeit bei Feldzügen mit dabei. 

Im 20. Jahrhundert fristeten die Presa Canarios lange Zeit mehr schlecht als recht ein Dasein an der Kette in abgelegenen Fincas, um Besitzer und Hof zu verteidigen.

 

DER NAMENSSTREIT: POLEMIK ODER LOGIK?
 

Zwar sind diese molossoiden Hunde der Kanaren schon 400 Jahre lang schriftlich belegt, aber erst seit etwa 1970 werden sie gezielt gezüchtet. Und auch außerhalb des Archipels fanden immer mehr Exemplare unter dem Namen „Dogo Canario“ oder „Perro de Presa Canario“ Anhänger. 

Inzwischen gibt es wahrscheinlich mehr Züchter in Deutschland als auf den Kanaren. Hier liegt der Bestand bei geschätzten 120 Tieren, wie wir vom Vorsitzenden des Vereins „Club del Perro de Presa Canario de Las Palmas“, Clemente Reyes, erfahren. 

 

 
VEREIN DER HUNDEFREUNDE "PRESA CANARIO"

 

Die Hundefreunde treffen sich zwei Mal wöchentlich zum Training auf einer Finca in Arucas. Neben den klassischen Hundebefehlen (Nein, Komm, Sitz, Platz, Aus, Stopp etc.) werden auch Schutzbefehle trainiert. Die Kommandos werden übrigens auf Deutsch erteilt. Um die Züchtung voranzubringen, gibt es eine DNS-Kontrolle, die über einer DNS-Datenbank in der Universität Las Palmas koordiniert wird. Bei der Pathologie (Lehre und Erforschung der Herkunft sowie Verlauf und Auswirkungen abnormer Einzelphänomene) wird eng mit den Züchtern zusammengearbeitet. Eine erbliche Krankheit, die Hüftdysplasie (displasia de cadera), ist inzwischen beinahe ausgemerzt worden. 

 

POTENTIELL GEFÄHRLICHE HUNDERASSE?

 

Nun folgte ein weiterer Tiefschlag, diesmal von Seiten der Behörden. Die verantwortungslose Haltung mancher Besitzer sowie tragische Vorfälle durch Bisse führten dazu, dass die Rasse verunglimpft und generell als Kampfhund verurteilt wurde. Als sinnvolle und notwendige Maßnahme, um so gegen die falsche Erziehung einiger Halter anzukämpfen, müssen in vielen Ländern sogenannte „Hundeführerscheine“ absolviert werden.

 

Diese sind auch für die Kanaren notwendig, wie es im Gesetz zur Haltung potenziell gefährlicher Hunderassen festgelegt wurde . Auch hier sind alle Hunde betroffen, die über bestimmte physische Eigenschaften verfügen, wie im Informationskasten links ausführlich erläutert.

PRESA CANARIO IST NICHT GLEICH DOGO CANARIO
 

Im Juli 2011 hat die kanarische Regierung in einer Resolution die Rasse „Dogo Canario“ mit dem Presa Cana-rio gleichgesetzt und somit ihre vorläufige Entscheidung aus dem Jahr 1991 bestätigt. Begründet wurde dies mit dem allgemeinen Sprachgebrauch, in dem die beiden Hunderassen gleichwertig verwendet werden. Die Inselregierung von Gran Canaria sieht das allerdings anders und will dagegen Berufung einlegen. Auch die Hundeclubs und Tierzüchter sind empört. 

Reyes erklärt uns einige der wesent-lichen Unterschiede dieser beiden Rassen: „Diese sind in der Größe der Tiere zu finden, dem Schleim auf Lippen und Lefzen, dem Brustumfang, dem Gewicht, der Verteilung der weißen Flecken im Fell und einige mehr“. Schon 1990 hatte der American Kennel Club (AKC) festgestellt, dass der Rassestandard nicht über-einstimmt.

 

WENIGE EXEMPLARE, EINE GROSSE ZUKUNFT?
 

Der Club del Perro de Presa Canario de Las Palmas mit etwa vierzig Mitgliedern hat seinen Sitz in Guía und verfügt über ein Klubhaus in Las Palmas. Zehn davon sind Züchter, die mit großer Sorgfalt die Ursprünglichkeit der Rasse bewahren wollen. Spezialisten untersuchen die Tiere auf körperliche Mängel und Charaktereigenschaften und empfehlen dann, wer mit wem die besten Chancen auf einen guten Nachwuchs hat. 

Doch auch für weniger prachtvolle Rasse-Exemplare wird ein guter Platz gefunden, falls es mal zu einer versehentlichen Fortpflanzung kommen sollte. Unter Umständen nimmt Clemente die Jungtiere im Notfall sogar bei sich auf.

 

NEUES GESETZ FÜR 
„POTENZIELL GEFÄHRLICHE HUNDERASSEN“
 

Ley de Animales Ptencialmente Peligrosos (Ley50/1999,

Real Decreto 287/2002, RD 1570/2007); Anm.: Die Tierärzte

wissen im Detail über die Vorgehensweise bescheid und können

im Zweifelsfall wie z. B. bei gemischten Rassen konkrete

Auskünfte erteilen.

 

Betroffene sind acht Rassen, die laut Gesetz als potentiell

gefährliche Hunderassen gelten: Pit Bull Terrier,

Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier

Rottweiler, Dogo Argentino, Fila Brasileireo, Tosa Inu und

Akita Inu.


Generell Hunde mit bestimmten Merkmalen:
Laut Zusatz 2 des Gesetzes sind folgende Merkmale ebenfalls für die Einstu- fung als potentiell gefährliche Hunde maßgeblich (abgesehen von den oben genannten reinrassigen Hunden):

  • Starke Muskulatur, athletisches Aussehen, Beweglichkeit, Widerstandskraft.

  • Ausgeprägter Charakter und Mut.

  • Kurzes Haar.

  • Brustumfang 60-80 cm, Schulterhöhe 50-70 cm, Gewicht über 20 kg.

  • Großer Kopf, starker, quadratischer und/oder breiter Schädel, kräftiges,

    breiter tiefes Maul.

  • Breiter, muskulöser, kurzer Hals.

  • Starker Brustkorb, gebogene Rippen, kurze und muskulöse Schulterpartie.

  • Parallele, gerade und starke Vorderbeine, sehr kräftige Hinterbeine, mit lan-

    gen Pfoten.
    Anm.: Ausgenommen von den Gesetzesbestimmungen sind nur Begleithunde für Behinderte, die in offiziellen Hundeschulen ausgebildet wurden und regis- triert sind. Die Anwendung dieses Gesetzes ist Gemeindesache, was zu unter- schiedlichen Auslegungen führt. Der Gemeindetierarzt weiß am besten, was im Einzelfall zu berücksichtigen ist und welche Vorschriften einzuhalten sind. Benötigte Unterlagen für den Antrag
    Zahlungsnachweis der Gemeindeabgabe, Hundepass vom Tierarzt
    Zertifikat über die körperliche und geistige Eignung, ein Exemplar einer poten- tiell gefährlichen Hunderasse halten zu dürfen. Erhältlich in autorisierten Un- tersuchungszentren, z.B. Medicert in Maspalomas, Eintragung im Meldeamt, Haftpflichtversicherung (mindestens 120.000 Euro), Bestätigung über den eingepflanzten Mikrochip und Eintragung im Hunderegister, Gesundheits- zeugnis des Tieres, Ausweis des Besitzers;

 

 

 

Der Club del Perro de Presa Canario de Las Palmas hat seinen Sitz in Guía und ein Klubhaus in Las Palmas. Die Treffen und Trainings finden jedoch meist auf der Finca Granja Experimental del Cabildo in Arucas statt. 

 

Montag und Mittwoch, 18 bis 21 Uhr. Vorsitz: Clemente Reyes

Tel.: 656 662 551, E-Mail: clubpresacanario@gmail.com

www.elpresacanario.com

 

 

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