Curating the world artfully

BÄRBEL BROSS

Mix Radio FM 101

Unternehmerportrait aus Ausgabe Nr. 92 vom 15. JANUAR 2016

Das beste Rezept dem monotonen Alltag zu entfliehen ist Radiohören. Man weiß nie genau was kommt und welche Musik gespielt wird und so sorgen Radiosender für jede Menge Kurzweil und Spannung im Leben. Dass man dabei auch gleich noch am Zeitgeschehen „live“ dabei ist, ist ein Extra. Mit keinem Printmedium sind Sie so schnell informiert wie mit dem Radio. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es hinter den Kulissen zugeht? Wollten Sie schon einmal das Gesicht zu der allbekannten Stimme sehen, die sie tagein tagaus begleitet? Wir besuchten den größten und ältesten Radiosender im Süden von Gran Canaria, Mix Radio 101 FM. Der Radiosender befindet sich im Edificio Mercurio, wo auf dem Dach auch der entsprechende Sendemast angebracht ist und wo im Jahr 1995 Radioprofi Pit Sasse seine Vision von einem deutschsprachigen Sender auf Gran Canaria realisierte. 

Kein anderer Medienmacher hat über so viele Jahre die deutsche Gemeinschaft auf der Insel mit seinen legendären Moderationen derart bewegt und erreicht wie er. Leider ist er am 31. August 2012 seiner Krankheit erlegen und seitdem führt seine Frau Bärbel Bross-Sasse das Team. 

 

DIE UNBEKANNTE CHEFIN

Die Radiomacherin ist den meisten unbekannt, sie lebt zurückgezogen und ist eigentlich nur im Sender anzutreffen. Wir haben Bärbel als herzliche Frau kennengelernt, die niemals ein böses Wort über irgendjemanden über die Lippen bringen würde. Sie ist aber auch eine starke Frau, die mit sanfter Bestimmtheit die Fäden in diesem turbulenten Geschäft zusammenhält und nun alleine dem Team die Richtung vorgibt.

 

DER BETRIEB MUSS WEITERGEHEN

 

Bärbel erinnert sich an die schwere Zeit: „So komisch das klingen mag, aber ich dachte keinen einzigen Augenblick ans Aufhören. Der Radiosender war unser gemeinsames ‚Baby‘ und es war für mich klar, dass ich den Sender weiterhin betreiben werde - für ihn und im Geist auch irgendwie mit ihm. Jetzt musste ich für das Team stark sein, das seit vielen Jahren dabei ist und auf das ich mich immer zu hundert Prozent verlassen konnte.“ 

 

RADIO MACHEN IST VIEL KOMPLEXER ALS MAN DENKT

 

Wie der technische und kaufmännische Betrieb läuft wusste die Chefin ja, war sie doch von Anfang an dabei bzw. kümmerte sich seit jeher um alles (komplizierte) rundherum. Die Kosten wie z. B. für Agedi oder Sgae die wir für den Sender bezahlen müssen ebenso wie natürlich die Gehälter, das Büro und die ganze andere Infrastruktur und Technik, damit der Betrieb läuft. „Der große Unterschied ist einfach, dass wir Tag und Nacht senden“, sagt sie und führt fort: „Bei uns kann niemand sagen er steht im Stau. Wir müssen uns auf jeden Einzelnen voll verlassen können. Wir sind professionell und wollen das auch für unsere Hörer sowie für unsere Werbekunden sein. Dahinter steckt aber eine komplizierte Maschinerie.“ 

 

Bärbel steht zu hundert Prozent hinter ihrer loyalen Mannschaft „Alle, die ich je gefunden habe, sind heute noch da“ sagt sie mit ein wenig Stolz. „Wenn man sie braucht, dann sind sie alle da. Ein Radio zu betreiben bleibt immer spannend und manchmal hat sie den Eindruck, als ob sich die Teammitglieder bei einem Fehlerchen selbst die meisten Vorwürfe machen. Man muss wahrscheinlich auch ein wenig „cool“ bleiben in der Hitze des Gefechts denn das ist eben der zweite große Unterschied, dass alles Live gesendet wird. 

 

JEDER NACH SEINEM EIGENEN STIL

 

Die schwierigste Frage war für sie wohl: „Klar war, dass Pit niemand jemals ersetzen kann. Die Latte schien so unerreichbar hoch zu stecken. Also gestalteten wir im Laufe der Zeit ein kleines, aber feines Team das im Rahmen der Möglichkeiten seinen eigenen Spirit in die jeweilige Sendung bringt und das erweitert den Horizont und die Bandbreite, die wir abdecken.“ 

Bärbel plant und hat den Gesamtüberblick. Sie hat die Sendungen in 2-Stunden Blöcke aufgeteilt. Die Redakteure erhalten ihre jeweiligen Werbekundenliste, die sie in ihrer Sendung durchsagen bzw. durchschalten müssen, je nachdem ob diese frei durch moderiert werden oder als fertiger Werbespot gebucht wurden.

 

FREDDY WAR KRANK, SEHR KRANK

 

Die vielen CD‘s und Vinyl-Platten im Büro haben inzwischen eher sentimentalen Charakter, denn heute läuft alles elektronisch. Nachdem man viel Humor hat, taufte man diese technische Aparatur auf den Namen Freddy. Manche Hörer denken, es handelt sich um einen Moderator (Anm.: so wie auch ich es lange annahm). 

Die Abhängigkeit von der Technik ist extrem hoch und so hat man aus Gründen der Ausfallsicherheit vor einiger Zeit in ein zweites Equipment investiert.

Bärbel schmunzelt während ihrer Ausführungen. Weil der Teufel nicht schläft, hat im Notfall, just als das Zweitgerät gebraucht wurde, auch dieses nicht funktioniert. Also machte Moderator Micha aus der Not eine Tugend. Er moderierte live die Reparaturversuche ihres Sohns Sascha, der unter dem Tisch nach der Lösung des Problems suchte. Es sind Tage wie diese, die mit ihrer Situationskomik draußen ganz anders wahrgenommen werden als man es von innen glaubt. Die Hörer lauschten also gespannt bei der Behebung der Panne. „Aber natürlich ist das keine Situation, die man sich regelmäßig wünscht“ setzt sie nach. 

 

WIR SIND KEIN REINER URLAUBSSENDER

 

„Wir sehen uns nicht als reinen Urlaubssender“ erklärt die Radiochefin ihre Positionierung und führt aus: „Als Radiosender haben wir auch eine gewisse Informationspflicht. Gerade im Ausland wollen die Menschen nicht nur über das lokale und regionale Geschehen informiert sein, sondern auch über das, was in der Heimat geschieht. Viele sprechen nicht spanisch und sind daher auf deutschsprachige Medien angewiesen, was wir mit unseren regelmäßigen Lokalnachrichten abdecken. Dabei arbeiten wir mit Pressediensten aber auch mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen. 

Neue Experimente haben immer ein gewisses Risiko aber man muss eben auch Rückschläge verkraften können. Letztendlich sind wir eine coole Truppe‘ und ich bin stolz auf mein Team. Radio machen kann man auch nur, wenn man dazu die richtige Einstellung hat. Gewisse Dinge kann man lernen aber Eigenschaften wie die persönliche Einstellung oder die Radiostimme sind da oder eben nicht“.

 

DIE COOLE TRUPPE: HUMOR STEHT GANZ OBEN AUF DER LISTE

 

Unzählige Knöpfe, Bildschirme und riesige Uhren an der Wand dominieren im Senderaum. In der Mitte steht der „Thron“ der Moderatoren und das riesige Mikro. Ein kleines Tischchen davor bietet Studiogästen Platz im Falle von Interviews. Viele trauen sich jedoch nicht live im Radio zu reden (so wie ich, als ich es an diesem Abend besuchte).

Bei den Moderatoren handelt es sich bis jetzt durchwegs um Männer. Es sind unkomplizierte „coole Typen“, die dem Radiosender Leben einhauchen. Jeder von ihnen hat so seine eigene Art zu moderieren und bringt seinen persönlichen Musikgeschmack ein, wodurch sich eine größere Bandbreite ergibt. Manche planen alles genau und bereiten sich akribisch vor. Andere nehmen es lockerer und gestalten ihre Sendung flexibler. Eines haben alle gemein: Starke Nerven, denn bei so vielen Themen die Sie während der Sendung pünktlich einbringen müssen, ist es gar nicht so einfach den Überblick zu bewahren.

 

KONTAKT:
RADIO 101.1 & 104.8 FM

Edificio Mercurio Torre Ii, Planta 1° D

35100 Playa del Inglés, Maspalomas

Gran Canaria

Tel.: 928 761 301

Email: mixradiooffice@gmail.com

www.mix101.net

www.mix101.de

Webradio: www.mix-radio.net

© 2013 by Julija Major - Viva Canarias

© 2018 by Viva Canarias Publicaciones S.L.