Curating the world artfully

MIKE GOERKE EROBERT

DEN KARTSPORT

SPEED-FIEBER AUF

GRAN CANARIA

Unternehmerportrait aus Ausgabe Nr. 66 vom 21. November 2014

Den umgänglichen Michael Goerke alias „Micha“ kennt inzwischen ganz Maspalomas. In den Abendstunden unterhält er die Zuhörer mit frechen Sprüchen beim Radiosender Mix Radio FM 101 und nachts ist er häufig als Entertainer in Bars gebucht. Mit seinem Technikverständnis und seiner Geduld ist er besonders beim betagten Klientel auch als „Michas Technikhilfe“ ein Begriff. Doch nun macht sein elfjähriger Sohn, Mike Goerke von sich reden und zwar als aufstrebender Rennfahrer im Kartsport. 

Rennfahrtalent Mike Goerke, 2014 (Kontakt - siehe Ende)

"Man will ja auch nicht so angeben"

Das junge Karttalent Mike Goerke wird von seinem Trainer Ricci (li.) und seinem Vater Michael (re.) gefeiert.

KONTAKT:

 

mikegoerke.com

Neue Webseite seit 6. Mai 2016

 

 

„Man denkt sich als Vater nichts dabei wenn Kinder etwas sehr gut machen. Alle Eltern meinen ja die eigenen Sprösslinge seien etwas ganz Besonderes. Aber wenn ich zurückdenke, dann fällt mir ein, dass ich ihm schon als 2-jährigen einen Elektrojeep geschenkt habe. Eindringlich habe ich ihm erklärt, er darf auf dem Parkplatz herumfahren aber keinesfalls eines der geparkten Autos berühren. Mike kurvte flott und mit Begeisterung herum ohne dass er je eine Schramme verursacht hat“ erklärt uns Micha.

 

FAMILIENTAG: SONNTAG

 

Eigentlich ist der einzige Spross des Entertainers, ein ganz normaler Junge dem der stolze und liebende Vater alles ermöglichen möchte, was in seiner Macht steht. 

An Sonntagen unternehmen wir immer etwas und erkunden die Insel und nutzen das Freizeitangebot zu Land und Wasser. Michas Sohn begrüßt uns mit festem Händedruck, dezenter Verbeugung und verschmitztem Lächeln. Ich blicke zum Vater der mit breitem Grinsen wohlwollend zur Kenntnis nimmt, dass die Erziehung gut war.

 

VON NULL AUF HUNDERT...

 

Im Juli 2014 stand Kartfahren auf dem Programm. Für den Vater war das aufgrund seiner Körpergröße nichts, aber sein Sohn tobte sich so richtig aus. Bei diesem ersten Versuch fuhr er Rundenzeiten auf der großen Kartbahn in San Agustín von 1 Min. 15 Sek. Dabei fuhr er zu diesem Zeitpunkt wie alle Jungs die kleinere Variante, also einen Viertakter. Dieser ist größer und kann auch motortechnisch mit seinem jetzigen Gefährt nicht mithalten. 

Vielleicht wurde Mike bei seinem ersten Versuch so richtig mit dem Rennvirus infiziert. 

Wie das Leben so spielt sollte an diesem seinem ersten Tag Richie, der kanarische Kartmeister in der Automatikklasse, auf der Bahn zugegen sein. Er erkannte das Potential und ist seither der Trainer des Jungen. Micha griff tief in die Tasche und erwarb für seinen Sohn ein echtes Rennkart, einen 2-Takter. Dieser ist für den Rennsport hochgezüchtet, leichter, wendiger und schneller. 

 

EINSTIEG IN DEN MOTORSPORT

Karts sind aufgrund ihrer leichten Bauweise sehr schnell und agil und man kann mit Ihnen Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h erreichen. Da der Schwerpunkt sehr niedrig angesetzt ist, kann man mit einem Höllentempo Kurven durchfahren.

Oft ist der Kartsport der Einstieg in den Motorsport wie es beispielsweise auch bei Sebastian Vettel der Fall war.

 

WER SCHNELL SEIN WILL MUSS LANGSAM BEGINNEN

Nun schaltet sich Trainer Ricci ein und erklärt: „Ein Kart reagiert ganz anders als ein Auto. Die sehr direkte Lenkung reagiert sofort, Fingerspitzengefühl ist angesagt, wenn man in der Kurve sich nicht drehen will. Wer schnell sein will, muss langsam beginnen. Es ist leichter etwas von Anfang an richtig zu lernen, als später falsches wieder rauszubekommen. Wir gingen etliche Male die Strecke ab, analysierten die Kurven und prägten uns die Strecke ein. Wir wechselten uns ab. Erst fuhr er mir nach, um die Ideallinie kennenzulernen und dann ich ihm. So konnte ich genau sehen wo Mike optimieren muss, damit er das Gefühl für die Ideallinie entwickelt. Zwar schmunzelten die anderen Kartfahrer zu Beginn, aber heute haben sie das Nachsehen.“

 

DISZIPLIN IST GEFRAGT

Ergo: Man muss auch eine gewisse Portion Selbstbewusstsein haben, um die Blicke der Anderen zu ignorieren und sich auf seine Sache zu konzentrieren. Der Vater ergänzt: „Noch mehr gefragt ist Disziplin und das nicht nur beim Training. Man darf nicht vergessen, es ist ein gefährlicher Sport und manchmal zittere ich, wenn ich meinen Sohn über die Bahn fegen sehe. Es ist auch eine Frage der Konzentrationsfähigkeit und daher spielt die richtige und gesunde Ernährung eine große Rolle“.

 

Ich blicke zum Sohn und für den scheint gesund zu Essen überhaupt kein Problem darzustellen, um ganz nach vorne zu kommen. Endlich geht es los und wir folgen Mike zur Garage. Hinter einem knallroten Minitor ist sein Bolide und etwas Werkzeug. Es ist heiß an diesem Tag und mir tut er fast leid, dass er nun diese dicken Schutzschichten anziehen muss. Für ihn ist das kein Thema, Sicherheit geht vor und so kommt zuerst die Rippenschutzweste und danach der feuerfeste Overall. Der Nackenschutz, Helm, Handschuhe etc. und schon sitzt er glückstrahlend in seinem Kart.

 

MAN MUSS AM BODEN BLEIBEN

 

Er demonstriert uns einige Runden und wir versuchen dies in Fotos festzuhalten. Quietschen, Auspuffgase und entsprechender Motorenlärm lassen ein Gefühl von echtem Rennsport aufkommen. Nicht aus den Augen lassen ihn der Trainer und der konzentrierte und vielleicht auch ein wenig nervöse Vater. Immerhin durchfährt Mike dieses Kurvenstück mit bis zu 120 km/h. Am 28. August, also nur knapp zwei Monate nachdem sich der Pilot zum ersten Mal in das Kart gesetzt hat, erreichte er eine Rundenzeit von 50,34 Sekunden, also weit unter einer Minute. Am 9. November schaffte er 46 Sekunden, die bisher beste Zeit. Wieso wissen wir das so genau? Weil ihn Papa Micha mit seiner Stoppuhr keine Sekunde aus den Augen verliert und alles akribisch genau dokumentiert, vom Sprit- und Ölwechsel bis zum Schrauben nachziehen.

Auf die Frage, ob seine Schulkameraden wissen, dass er zu einem kleinen Star der Rennstrecke geworden ist antwortet mir Mike mit einem verlegenen Lächeln: „Nein, das weiß niemand. Man will ja auch nicht so angeben“.

 

TEURER SPORT DER VIELE OPFER ABVERLANGT...

 

Die Kosten für den Kartsport sind ein kleiner Wermutstropfen bei der Sache. Schon über fünfhundert Euro im Monat muss der Vater aufbringen, die bisherigen Investitionen in das Kart, die Kleidung und den Helm nicht mitgerechnet. Vielleicht findet sich ja ein Sponsor, der das junge Talent unterstützen möchte.

 

Wir wünschen dem jungen Rennfahrer eine steile Karriere und vielleicht dürfen wir ihn irgendwann als Weltmeister interviewen.

 

 

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