Curating the world artfully

RESTAURANT GORBEA

Wenn wir Besuch bekommen, dann möchten wir unsere neue Heimat von ihrer schönsten Seite zeigen. Denn jene von uns, die hier leben, tun es gerne und lieben die Kanaren. Vor etwa einem Monat besuchte mich mein lieber Freund Wolfgang aus Österreich und natürlich schleppte ich ihn jeden Tag in ein anderes meiner bevorzugten Lokale. Doch am letzten Abend fiel mir nichts mehr ein, denn ich wollte auch noch ein außergewöhnliches Ambiente bieten, das er im kalten (zu diesem Zeitpunkt auch noch verschneiten) Wien nicht hatte. Ich erinnerte mich an das Restaurant Gorbea auf der Dachterrasse des Hotels Gloria Palace in San Agustín. Ich war einige Male dort, aber hauptsächlich zum Chillen. Viele wissen gar nicht, dass Hotelfremde auch willkommen sind. Allerdings war ich vom Essen (damals) nicht überwältigt, wenngleich die Qualität in Ordnung war. Es ist allerdings auch immer eine Frage des Anspruchs. Vielleicht bin ich inzwischen zu kritisch geworden nachdem ich in so vielen außerordentlichen Speisetempeln dinnieren durfte. Ich versuchte die Erwartungshaltung bei meinem Gast etwas zu senken und sie in Richtung Atmosphäre zu lenken. Wir fuhren schließlich ins Hotel Gloria Palace nach San Agustín. 

Ein Lift zum Himmel

Ein Lift führt hinauf in den neunten Stock und als sich die Tür öffnete, erhellte sich unser Gesicht. Meines, weil sich viel geändert hatte und die Terrasse nun noch schöner gestaltet war. Das moderne und klare Design der Innenarchitektur zog sich durch. An der einen Seite waren die Liegen angeordnet, die tagsüber zum Entspannen einladen. Das Licht der Beleuchtung spiegelte sich im Wasser des Pools, das sanft wogend für blitzende Reflexe sorgte. Und vor uns breitete sich eine grandiose Sicht auf San Agustín und das Meer aus. Die kleine Stadt vibrierte, doch von hier oben hörte man keinen Lärm. Der Ausblick ist herrlich und  er verführt zum Innehalten und Genießen - eine nette Abwechslung.

Edler Chic ohne Schnick-Schnack

Das Restaurant Gorbea ist in dezenten Beigetönen gehalten, hell und freundlich und dezent in den Accessoires - eine gewisse noble Zurückhaltung ganz nach dem Motto: „Weniger ist mehr“. Die Tischdekoration ist minimalistisch, doch hochwertig, ebenso wie die hoch polierten Gläser.

Auf das Personal trifft das allerdings nicht zu, denn sie sind allesamt aufmerksam und lächeln freundlich. Es ist eines dieser Lokale, in die man gerne geht, auch als Fremder oder Fremde. (Anm.: Ich war mehrere Male dort und habe es jedes Mal so empfunden. Sie behandeln den Gast als König, obwohl sie nicht wussten, dass ich ein Magazin habe).

Wir entschieden uns den Aperitif auf der Terrasse einzunehmen, zu schön ist der Ausblick während des Sonnenuntergangs, als das wir uns diesen Anblick entgehen lassen möchten. Der Barman mixt alles - ganz nach klassischer Manier - von Hand mit geübtem Fingerspitzengefühl. Die Gläser mit verschiedenen Ingredienzen, wie z. B. getrocknete Zitronen, Orangen etc., zieren die Bar.  

Das Publikum ist gemischt und das in jeder Hinsicht. Verschiedene Nationalitäten jeder Altersklasse genießen diesen noch geheimen Spot und auch einige Hotelgäste fanden ihren Weg auf die Dachterrasse. „Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier einfach“ sagt mir ein Stammgast, der seit vielen Jahren hier nächtigt.

 

Das Hotel Gloria Palace gehört der Familie Mañaricua aus dem Baskenland, die schon seit Jahrzehnten auf Gran Canaria lebt. Zum Besitz zählt auch jenes am Amadores Strand. Wie so oft entwickelt sich fern der Heimat die Sehnsucht nach dem Essen wie Zuhause. Also entschlossen sie sich hier ein Restaurant zu eröffnen, wo sie Baskische Speisen genießen konnten. Gorbea heißt übrigens auch der höchste Berg im Baskenland mit 1.481 Metern.

Fachkundig und professionell

An diesem Abend sind wir zum Arbeiten gekommen und auch unser knurrender Magen drängt letztendlich ins Restaurant, damit wir die Bestellung aufgeben.

Sr. Daniel ist Chef de Rang und hatte mit einer Mischung aus Eleganz und Professionalität alles im Griff und führte uns zum Tisch. Keine Spur von Hektik kam im Restaurant auf, obwohl sich alle flink bewegten und aufmerksam die Gäste im Restaurant im Auge behielten. Nach fünf Jahren im Betrieb, weiss er wie der Laden läuft. Sanfte Musik dringt (unaufdringlich) an unsere Ohren und unterstreicht die entspannte Atmosphäre. Smooth-Jazz bis internationale Evergreens – hier passt alles zusammen.

Schließlich kommt Sra. Pino ins Spiel, eine fachkundige Weinberaterin, die mir aufgrund ihrer Kompetenz schon bei meinem letzten Besuch mit meinem österreichischen Freund in Erinnerung blieb. Auf der Weinkarte findet man französische, italienische, spanische und natürlich auch eine feine Auswahl an kanarischen Weinen, die unterschätzt werden. Wir wählen den Wein „Higuera Mayor“ aus, ein vollmundiger Rotwein aus Santa Brígida (ursprungsgeschützt), nicht zu trocken und nicht zu süß.

Und nun staune ich nicht schlecht, denn in einem Regal neben uns stehen verschiedene Dekantiergefäße, damit jeder Wein sein ideales Umfeld hat, um sich optimal zu entfalten. Nun ja, man lernt nie aus. 

Die Qual der Wahl ...

Nun kam die Qual der Wahl. Zwei Gerichte (von meinem letzten Besuch mit Wolfgang) standen auf meiner Pflichtliste. Er war dermaßen begeistert von den Seezungenröllchen aus dem Ofen und darin eine gegrillte Scampi mit Sekt-Sahnesoße und Basmati-Reis (Foto 05), dass ihm entzückt „Das ist Kunst“ rief. Auch ich war damals überrascht und erfuhr, dass seit etwa einem halben Jahr ein neuer Koch für die kulinarischen Köstlichkeiten zuständig ist. Es ist der 32-jährige Kanarier Carmelo Martín. Sein Anspruch ist hoch, seine Kreationen ungewöhnlich und eine echte Bereicherung für das Restaurant. Ich hoffe nur, dass er keinen freien Tag hat (mit Augenzwinkern gemeint). Ich wollte aber auch andere Gerichte und mit anderen Menschen ausprobieren, um meine Einschätzung zu teilen - wie gut, dass wir dieses Mal zu Dritt waren und noch dazu ein Holländer, eine Brasilianerin und eine Österreicherin. Wir ließen unsere guten Manieren an diesem Abend ein wenig hinter uns und naschten dezent von den Tellern der Kollegen, um uns zu beratschlagen. Es war harte Arbeit! 

Wir stellen Ihnen einige Kreationen vor ...

Die Menükarte ist perfekt in mehreren Sprachen übersetzt und erleichter das Leben eines Gastes ungemein. 

• Claudia wählte den spanischen Fisch Cerne mit Mango, roter Zwiebel und Tigermilch als Vorspeise (15,90 Euro, Siehe Foto 08)

• Das Pilzrisotto mit knusprigem Parmesan und dreierlei Spargel ist ein Gedicht (12,90 Euro). Ebenso wie die Papardelle mit Zucchini mit gebratenen Garnelen, Lachs und Mascarponecreme (12,10 Euro). Beide Portionen sind riesig und die Belegschaft empfiehlt eine halbe Portion zu bestellen, falls man noch andere Gänge genießen möchte. 

• Die Fischvariationen sind groß und reichen von Steinbutt in rosa Pfeffersauce mit wildem Reis und frischem Salat (17,90 Euro) bis zum Seehecht in grüner Sauce mit Mandeln und gedünsteten Kartoffeln (18,90 Euro). Die Seezungenröllchen habe ich bereit eingangs erwähnt.

• Eric wählte dieses Mal das Kalbsfleisch  - Wok in Thaisauce mit einer Auswahl an Gemüse und Jasminreis (17,40 Euro). Das Fleisch war sehr zart und das Gericht asiatischem Touch abgeschmeckt.

• Das Rinderfilet war herrlich zart. Man bezieht das Fleisch aus Irland. Die Entrecote Gerichte stammen aus den U.S.A. Sogar die anspruchsvolle Brasilianerin geriet ins Schwärmen. 

• Die Gänseleber nach Art „Gorbea“ ist mein persönlicher Tipp (16,90 Euro). Natürlich wird auch Tartar vom Lachs an Avocado oder Klassisch vom Steak mit geräucherter Chili geboten. 

Fazit

Teuer oder billig ist relativ. Meiner Meinung nach war der Preis für das gebotene Ambiente, den hochwertigen Service und das Essen sehr angebracht. Damit Sie für sich beantworten können, ob die Preise in ihr Budget passen, haben wir diese zur Orientierung in Klammern angemerkt. 

Wir haben mit Vor-, Haupt- und Nachspeise, samt Aperitif und einer Flasche Wein zu Dritt 208 Euro bezahlt. Dieser Restaurantbesuch ist für besondere Anlässe ideal. Schön ist auch, dass man nach Beendigung des Essens nicht hinauskomplimentiert wird und anschließend auf der schönen Terrasse mit Blick den Abend ausklingen lassen kann.      

          Guten Apettit!

Aus unserer Ausgabe Nr. 115 vom

10. MÄRZ 2017

RESTAURANT GORBEA

Dachterrasse des Hotels Gloria Palace Thalasso San Agustín in der c/Las Margaritas.

Tagsüber Chillout Terrasse.

Geöffnet täglich ab 18.00 Uhr.

Tischreservierung empfohlen.

Tel.: 928 928 767 561

 

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