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guayadeque

DAS HEILIGE TAL DER HÖHLEN - IM NATURSCHUTZGEBIET

 

Die „Fuente“, eine kleine Quelle, hat im Laufe der Zeit im Osten der Insel ihr Bett tief in den Barranco de Guayadeque geschnitten. Begünstigt durch die großen Höhenunterschiede entstand hier eine reiche Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt mit vielen Endemismen, die ihresgleichen auf Gran Canaria sucht. Zahlreiche archäologische Funde belegen auch die Ansiedlung der Altkanarier in Höhlenwohnungen in dieser fruchtbaren und wunderschönen Schlucht. Doch egal, ob Sie kultur- oder geschichtsinteressiert sind oder einfach Naturliebhaber.

 

Sie werden von Ihrem Besuch des Barranco de Guayadeque, der seinen Gästen einiges bietet begeistert sein. Wir brechen an einem frühen Nachmittag während der Woche zu unserer Erkundungstour auf, denn an Wochenenden besuchen zusätzlich zu den vielen Touristen die Einheimischen dieses beliebte Ausflugsziel wo sie oftmals mit ihren Familien an einem der vielen Picknick-Plätze die Natur genießen.

AUF NACH OSTEN

 

Wir beginnen unsere Tour auf der Autobahn GC1 in nördliche Richtung und verlassen diese auf Höhe Arinaga/Agüimes. Wir folgen den Wegweisern in Richtung Agüimes bzw. den braunen Beschilderungen „Barranco de Guayadeque“ auf der GC100. Je mehr wir uns der Schlucht nähern, desto dichter, bunter und abwechslungsreicher präsentiert sich die Vegetation. Die Sträucher strahlen in verschiedenen Farbennuancen und viele prächtige Blüten erfreuen unser Auge

 

Stopp & Go
 

Etwa zwei Kilometer nachdem wir dieser Straße gefolgt sind und Agüimes passiert haben, erreichen wir die Einfahrt in den Barranco de Guayadeque, dem „Ort des fließenden Wassers“ was der Name aus dem Altkanarischen bedeutet.

Gleich hier befindet sich linker Hand ein Besucherzentrum „Centro de Interpretación“. Unsere Neugierde treibt uns allerdings voran und so entschließen wir uns, erst einen Halt auf unserem Rückweg zu machen. Die schmale, doch ebene Straße führt mitten durch das Tal, das zu beiden Seiten mit üppiger Vegetation protzt. Mehr als 80 endemische Pflanzenarten  sind hier zu finden und manche davon ausschließlich in diesem Tal. Wir sehen sogar die letzten blühenden Mandelbäume. Alte Eukalyptusbäume erscheinen wie stumme Wächter des Tals und je tiefer wir vordringen, desto höher werden die Bergkämme zu beiden Seiten. Das sanfte Licht der frühen Nachmittagsstunden zaubert eine magische Stimmung.

 

Nach nicht einmal einem Kilometer Fahrt sind wir bereits drei Mal stehengeblieben, um Ihnen unsere Eindrücke auf Fotos zu bannen. Es ist ein wirklich schwieriges Unterfangen. Wie kann man die Natur in all ihrer Schönheit auf Papier festhalten, wenn die Gerüche und vor allem wenn die melodischen Geräusche der singenden Vögel fehlen?


Die Vielfalt dieser Pflanzen- und Tierwelt wurde nicht zuletzt durch die großen Höhenunterschiede begünstigt. Es kann nur bei einem Versuch bleiben, die geheimnisvolle Mystik einzufangen

 

Das Höhlendorf: Bermeja Cuevas
 

Nach wenigen Kilometern genussvoller Fahrt weisen linker Hand zwei überlebensgroße Statuen mit dem Abbild von Altkanariern das erste Ziel „Bermeja Cuevas“ aus.  Rechts befindet sich ein kleiner Parkplatz (der an Wochenenden restlos zugeparkt ist).


Wie schon der Name verrät, handelt es sich um ein Höhlendorf, in dem nach wie vor viele bewohnt sind. Ja, es gibt sogar „Stallungen in Höhlen“ für Hühner oder Schweine.

 

Ein Obolus für die Gastfreundschaft
 

Die Altkanarier wählten die Höhlenbehausung auch wegen ihrer extremen Lagen, die schwer zu erklimmen waren und so Schutz boten. Das Wohnklima ist ideal, im Winter warm und im Sommer kühl. Und so wissen nach wie vor viele Einheimische die Vorzüge dieser Höhlenbehausungen zu schätzen und würden diese um keinen Preis tauschen. Allein in der Gemeinde Artenara leben um die 2.194 Menschen in solchen „Casas Cuevas“.
 

In der Siedlung „Bermeja Cuevas“ ist man auf Besucher längst eingestellt und nicht ohne Stolz zeigen die Einheimischen ihre Höhlenwohnungen und erzählen auf Wunsch das eine odere andere Detail. Viele Häuser dürfen sogar betreten werden und so können sich die Touristen auch im Inneren ein Bild vom Wohnen in einer Höhle machen. Schade, dass Anstand nicht selbstverständlich ist. Wir erlauben uns daher darauf hinzuweisen, dass die vorgesehenen Tellerchen für einen kleinen Obulus an die Gastgeber gedacht sind.
 

Die Moderne hat inzwischen auch hier zugeschlagen. Viele Höhlen wurden nach vorne mit einem Anbau erweitert. In diesem vorderen Teil des Hauses sind meist Küche oder Wohnraum untergebracht, während sich im fensterlosen hinteren Teil üblicherweise die Schlafzimmer befinden. Auch Wasser und Strom sind heute selbstverständlich. Wer will kann sogar in einem Höhlenhotel seinen Erholungsurlaub verbringen.
 

Im Dorf befindet sich eine kleine  Höhlenkirche, die zwar erst 2010 restauriert wurde, aber keine nennenswerte Kunstwerke verbirgt. Ein Höhlenrestaurant bietet kanarische Küche und Grillspezialitäten an.

 

Montañas de las Tierras
 

Wir setzen unsere Fahrt durch dieses wunderschöne Naturschutzgebiet fort. Die Straße steigt nun stetig an. Wir sehen Bienenkästen an den steilen Felswänden und fragen uns, wie fit die Imker hierzulande wohl sein müssen. Die süße Versuchung „Miel de Guayadeque“ kann inzwischen in vielen Lebensmittelgeschäften erworben werden. Nach ein paar Minuten erreichen wir die letzte Ansiedlung „Montañas de las Tierras“. Hier endet die asphaltierte Straße an einem kleinen Parkplatz.
 

Die kräftig roten Mohnblumen stechen aus dem grünen Grasteppich hervor. Holzschilder weisen auf verschiedene Wanderrouten hin (siehe auch unseren Beitrag Wandern). Es lohnt sich, den schmalen Weg rechts Richtung „Casa Cueva Canaria“ entlang zu schlendern und abwechselnd die blumengeschmückten Fassaden der Höhlenbehausungen sowie den atemberaubenden Blick in die Tiefe der Schlucht zu bewundern. Bei klarer Sicht sieht man von hier bis zur Küste. Kein Müll trübt unser genusssuchendes Auge und nicht einmal die vielen Katzen lassen sich von uns Besuchern aus der Ruhe bringen, haben sie sich längst an die neugierigen „Extranjeros“ gewöhnt.

 

 

 

Die Zeit steht (nicht) still

 

Jetzt entdecken wir einen Fehler in unserer Ausflugsstrategie: Anstelle diesen wunderbaren Ausflug mit einem angenehmen Restaurantbesuch sanft ausklingen zu lassen, hetze ich zurück zum Ausgangspunkt der Schlucht und zwar in das Besucherzentrum an der Einfahrt des Barrancos.

 

Tja, bei so viel Müßiggang steht die Zeit nur in unseren Träumen still, denn in Wirklichkeit raste sie im Sauseschritt an uns vorbei.

 

 

Aus unserer Ausgabe Nr. 30 vom

5. Juli 2013.

 

 

 

VIVA-TIPP:
 

Besucherzentrum/Museum

Gleich an der Einfahrt in den Barranco de Guayadeque befindet sich ein Informationszentrum, das auf anschauliche und ansprechende Weise Wissenswertes rund um das Tal, die Fauna, die Flora, die archäologischen Funde sowie Details aus dem Leben der Ureinwohner zeigt. Zu sehen ist beispielsweise wie die Altkanarier Handwerksgegen-stände erzeugten u.v.m. Sogar eine Mumie ist hier ausgestellt. Das Zentrum ist in einer Art nach- gestelltem Höhlensystem angelegt. Zusätzliche Infoboxen geben Hintergrundinfos zu den verschiedenen Themen, je nach Ihrer Auswahl, in Deutsch, Englisch oder Spanisch.

Ein Kunsthandwerksgeschäft bietet anspruchsvolle Souvenirs und kanarische Agrarerzeugnisse an.

 

Centro de interpretación

Barranco de Guayadeque

Agüimes/Ingenio

Öffnungszeiten:

Di. bis Sa. von 9.00 bis 17.00 Uhr,

So. von 10.00 bis 15.00 Uhr.

Eintritt: 2,50 Euro (Residente 2 Euro).
 

 

 

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