tritt mit 1. Juni 2013 auch auf den Kanaren in Kraft

Viva Ausgabe Nr. 36

 

 

 

 

 

 

Wie bereits in vielen Ländern der EU wurde nun auch in Spanien ein Gesetz verabschiedet, welches vorschreibt, dass auch für bestehende Gebäude (vor dem Jahr 2007 gebaut) ein Energiezertifikat („Certificado Eficiencia Energética) vorgelegt werden muss. Dies betrifft sowohl Immobilien für den Verkauf bzw. die Vermietung. Seit 2007 ist ein solcher Nachweis für Neubauten ohnehin Pflicht. Wir haben für Sie entsprechend dieses REAL DECRETO 235/2013 vom 5. April in Zusammenarbeit mit Architekt Christian Breitfellner die wesentlichen Fakten der neuen Regelung zusammengefasst.

 

Das Zertifikat zeigt die Klassifizierung der Energieklasse einer Immobilie (von Stufe A bis G) auf und zwar hinsichtlich
dem Verbrauch des Gebäudes bzw. Teilgebäudes (Wohnbereich, Büro, Ladenlokal). Die Grundidee dahinter ist, dass gemäß dem europäischen Anspruch kein Haus, das nach dem Jahr 2020 gebaut wird, Energie verbraucht.

 

AB WANN TRITT DIE NEUE REGELUNG IN KRAFT?
Am 1. Juni 2013 ist Stichtag. Leider sind bis heute nicht alle Details zu diesem Gesetz bekannt. Fest steht jedoch, dass ab dem ersten Juni „große Änderungen“ anstehen. Offiziell darf und kann niemand mehr seine Immobilie vermieten, verkaufen oder anbieten, ohne ein solches Zertifikat zu besitzen und vorzuweisen.


WER MUSS DAS ENERGIEZERTIFIKAT HABEN?
Jeder, der eine Immobilie vermieten oder verkaufen will, und nicht in die Ausnahmeregelung (siehe nachfolgend) fällt.
Gebäude, egal ob im privaten oder staatlichem Eigentum, welche der Öffentlichkeit zugänglich sind oder öffentliche Dienstleistungen anbieten und eine Nutzfläche von mehr als 500 Quadratmeter haben und viel frequentiert werden (Besucher).


AUSNAHMEN
Freistehendes Wohnhaus mit weniger als 50 Quadratmeter Nutzfläche.
Immobilien mit einer Nutzung von weniger als 25 Prozent (also weniger als 4 Monate im Jahr). Achtung: Hier muss der Besitzer/ Mieter den Nachweis erbringen, dass dem so ist.
Gebäude, die offiziell unter Denkmalschutz oder ähnlichem stehen.
Kirchen und Gedenkhäuser.
Improvisierte Gebäude bis zu max. zwei Jahren (z. B. Nutzgebäude wie Barracken, die bis zur Fertigstellung des Wohn-/Hauptgebäudes installiert wurden).
Nicht dem Wohnzweck gewidmete Gebäude wie z. B. Lagerhallen, Industriehallen etc.
Gebäude, die abgerissen werden sollen.


INHALT
Zur Antragstellung des Energiezertifikats müssen die entsprechenden Antragsformulare samt den dazu gehörenden
Berechnungen vorgelegt werden. Diese umfassen:
Die offizielle Klassifizierung des Gebäudes in die entsprechende Energieeffizienzklasse.
Vorschläge zur Verbesserung der Energieeffizienzklasse (mind. um 2 Klassen).
Berechnung der Kosten für die Verbesserungsmaßnahme in Form einer Kostenabschätzung/ eines Angebotes gemäss der Vorschriften.


MÜSSEN DIE VERBESSERUNGSVORSCHLÄGEUMGESETZT WERDEN?
Nein, Renovierungen, Sanierungen, Umbauten gemäß den Verbesserungsvorschlägen für das Energieeffizienzzertifikat
müssen nicht umgesetzt werden. Die Kostenschätzungen bzw. Angebote dienen lediglich der Information. Dem Eigentümer bzw. Vermieter steht es frei, die Energieeffizienz des Hauses zu verbessern, um Energiekosten zu sparen.


REGISTRIERUNG/ANTRAG
Was geschieht / was wird gemacht: Der Antrag für das „Certificado Eficiencia Energética“ muss bei der Inselregierung
erfolgen und zwar im Amt zur Energiezertifizierung. Der Antragsteller erhält ein Etikett über die Energieklasse (Stufe A bis G) seines Gebäudes.


WER DARF DIE TECHNISCHEN INFORMATIONEN AUSSTELLEN
Eine Fachkraft und zwar ein Architekt, Technischer Architekt oder Ingenieur, der jedoch vom Antragsteller frei gewählt werden darf.


GÜLTIGKEIT
Jedes Energieeffizienzzertifikat hat eine Gültigkeit von 10 Jahren. Es muss danach verlängert werden, idealerweise mit einer besseren Klassifizierung der Energieeffizienz als jene davor (ist aber keine Pflicht).

 

KOSTEN
Für die Durchführung bzw. Ausstellung der Aufwandsabschätzungen und der Bestimmung der Energieeffizienz
durch die Fachkraft (Architekt, Technischer Architekt, Ingenieur) wurden seitens der Regierung keine einheitliche Gebühren festgelegt. Diese werden also vom Markt bestimmt (Angebot=Nachfrage). Bisherige Anfragen und Einschätzung zufolge sollte der Mittelwert zwischen 250 und 300 Euro liegen (Anm.: Auf dem Festland Spanien
liegt dieser bei etwa 380 Euro). Der genaue Betrag ist von der Größe des Objekts, der Komplexität und den Preisen der Fachkraft abhängig. Dieser muss also vor Beauftragung geklärt werden.


WAS GESCHIEHT, WENN KEIN ZERTIFIKAT VORHANDEN IST?
Transaktionen wie Verkauf oder Vermietung von Immobilienobjekten können bestraft werden bzw. werden mit einer Strafe in der Höhe von 300 bis 6.000 Euro geahndet, je nach Schwere des Verstoßes.


Schwerer Verstoß, wenn:
die Informationen des Zertifikates oder die Registrierung beim Amt gefälscht bzw. erlogen sind.
der Aussteller der Energieeffizienzklassifizierung nicht zugelassen ist, also keine autorisierte Fachkräft (Architekt, Ingenieur, Technischer Architekt) ist. (Anm.: Diese müssen über einen Ausweis verfügen, der von der jeweiligen
Kammer ausgestellt wurde).
mit einem Energieeffizienzzertifikat geworben wird, welches nicht bei den Behörden registriert wurde.


Mittlerer Verstoß, wenn:
die Berechnungen für die Energieeffizienzklassifizierung falsch sind.
die Energieeffizienzklassifizierung nicht bei den Behörden zur Registrierung eingereicht wurde.
ein Etikett vorgetäuscht wird, das nicht den eingereichten Unterlagen entspricht.
eine Immobilie verkauft oder vermietet wird, ohne das Zertifikat zu übergeben.


Leichter Verstoß, wenn:
geworben wird ohne Nennung der Klassifizierungsgruppe (z. B. bei Aushang einer Immobilie im Schaufenster muss das Etikett der Immobilie in Originalfarbe und mit dem Klassifizierungsbuchstaben abgebildet sein.)
das abgelaufene Zertifikat nicht erneuert wurde (alle 10 Jahre).
Erstellung eines Zertifikates ohne Einhaltung der erforderlichen Angaben.


DIE DURCHFÜHRUNG - SCHRITT FÜR SCHRITT:
1. Die vom Besitzer/Vermieter beauftragte authorisierte Fachkraft (Architekt, Technischer Architekt, Ingenieur) sollte die Immobilie in Augenschein nehmen. Vor Ort wird von diesem im Detail die Gebäudemasse, die Fenster, die Art der Fenster, Türen und Öffnungen, die Dächer, Höhen, Heizungen, Warmwasseraufbereitung etc. begutachtet. Auf Basis dieser Sichtung wird die Beschreibung (Energieeffizienzklassifizierung) unter Berücksichtigung der Maße und Materialien erstellt.


2. Darüber hinaus werden die erforderlichen Vergleichsofferte für Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz
eingeholt und beigelegt; Diese müssen entsprechend beschrieben und dem Besitzer/Vermieter erläutert werden.


3. Einreichung der Energieeffizienzbeschreibung erfolgt bei der Inselregierung im Amt zur Ausstellung des Energieeffizientzertifikats. (Anm.: Das muss persönlich vom Eigentümer der Immobilie erfolgen oder von einer von
ihm bevollmächtigten Person. Für gewöhnlich übernimmt dies auf Wunsch
auch die Fachkraft.
Hinweis: Bei einem Immobilienverkaufmuss der Eigentümer das Energiezertifikat und die Etikette im Original beim Notar dem Käufer übergeben. Im Falle einer Vermietung muss eine Kopie des Zertifikats und der Etikette dem Mieter
übergeben werden. Käufer, Mieter oder Notar können den Vertrag annullieren und für ungültig erklären lassen,
falls das Zertifikat nicht vorgelegt wurde. Darüber hinaus muss der Verkäufer oder Vermieter eine Strafe an den
Käufer bzw. Mieter zahlen, da er die erforderliche Information des Zertifikates nicht vorgelegt hat.


Eine Immobilie darf ohne Energieeffizienzzertifikat und ohne Etikett nicht verkauft, vermietet oder beworben werden. Nach einem Umbau oder einer Renovierung des Objektes sollte ein neues Zertifikat erstellt werden, ggf. mit einer besseren Energieklasse.


Warnung: Es gibt inzwischen Internetportale, die mit extrem günstigen Preisen für die Ausstellung der Energieeffizienzbeschreibung locken und diese ausstellen, ohne je die Immobilie vor Ort begutachtet zu haben. Diese
Firmen lassen sich von den Kunden unterschreiben, dass sie keine Verantwortung oder Haftung für die Richtigkeit
der Daten übernehmen (oft im Kleingedruckten). In diesem Fall tritt der Kunde (Immobilienbesitzer) voll in die Haftung. Diese wiederum dürfen diese Arbeit nicht durchführen, da sie gemäß Definition dazu nicht berechtigt sind (siehe Fachkraft) und so einen schweren Verstoß begehen.

 

ENERGIEPASS

 

 

KONTAKT:

Christian K. Breitfellner

Architekt

 

Mobil 636 851 500

email: atelier@breitfellner.com

www.breitfellner.com 

 

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