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Vom Winde verweht

 

Vor tausenden von Jahren führte die Schlucht von Fataga als Wassereinzugsgebiet der Lagune von Maspalomas reichlich Wasser, was in Folge zur Bildung einer Aulandschaft führte. Durch eine Eiszeit senkte sich der Meeresspiegel ab, so dass sich das Flussbett mehr in die Ebene eingrub. Es bildeten sich mehrere Flussterrassen in verschiedenen Höhen.

Die mitgeführten Sedimente lagerten sich auf einer niedrigeren Ebene ab, wo sich ein Delta bildete, das heute vom Meer bedeckt ist. Die Temperaturen stiegen wieder, ließen das Eis schmelzen und der Meeresspiegel stieg wie-der an und begrub das Flussbett. Davon zeugen alte Strandterrassen an der Küste (vor dem Faro), die belegen bis wohin der Meeresspiegel einst reichte.

Wind wehte Sand auf das alte Flussdelta, wo sich die heutigen Dünen bildeten.

 

 

Doch bei diesem Sand handelt es sich in Wirklichkeit um organische Stoffe bzw. Meeresorganismen wie z. B. Muscheln, Schnecken und Kieselalgen, die durch das Wasser fein zermahlen wurden.

 

Die Meeresströmungen lagern Sand entlang der Küste ab. Der Wind bläst ihn landeinwärts, wo sich dieser an den Traganum-Sträuchern ablagert. Diese kleinen Sandanhäufungen wachsen so im Laufe der Zeit. Wenn diese die Höhe der Pflanzen übersteigen, dann „wandern“ sie von den Sträuchern weg. Jedes Jahr „wandern“ die Dünen zwischen zwei und fünf Meter Richtung Westen. Bis zu 21,43 Meter Höhe können die Sanddünen erreichen. Doch es gibt auch feste Dünen etc, davon mehr in der nächsten Ausgabe.

 

Der Wind sorgt also dafür, dass sich die Dünen ständig bewegen und so die Vegetation unter dem Sand begraben. Nur einige höhere Tamarisken-Bäume können überleben und ragen zwischen den Dünen hervor.

 

 

Wieso sind die Dünen in Gefahr?

 

Vor etwa 270 Jahren sorgte ein mächtiger Tsunami dafür, dass eine extrem große Mengen Sand an die Südküste vor Maspalomas angespült wurde. Das Zusammenspiel der beiden eingangs erwähnten Faktoren, Wind- und Meeresströmung, sorgte dafür, dass dieses einzigartige ökologische System im Gleichgewicht befand.

Allerdings schrumpfte in der Zeit von 1986 bis 2010 die Menge des Sandes auf etwa die Hälfte (damit ist das Volumen gemeint und nicht die Höhe der höchsten Dünen). Es wird also mehr Sand ins Meer hinausgetrieben, als durch die Meeresströmungen wieder zurück befördert wird.

 

 

Durch den Bau der Touristenanlagen an den Dünen ab den 60er Jahren änderte sich die Sedimentdynamik (also die Ablagerungen an Land) sowie die Windströmungen, die nicht mehr ungehindert fließen können. Sogar Liegestühle und Sonnenschirme sorgen für Windschatten und verhindern den natürlichen Fluss.

 

Gelebter Naturschutz

 

Eine der Maßnahmen, um dieses einzigartige Ökosystem zu erhalten, war, die an Land angespülten Sandmassen per Bagger gleichmäßig zu verteilen. Dies geschah meist nachts, um den Tourismus nicht zu gefährden. Somit konnte der Wind wieder „frei strömen“. Durch die Herstellung dieser natürlichen Zirkulation hielt sich die Menge des Sandes in den Dünen von Maspalomas.

 

Kein Geld für den Erhalt der Dünen

 

Bedauerlicherweise hat die Zentralregierung in Madrid vor dem Hintergrund der herrschenden Wirtschaftskrise diese Budgetposition gestrichen. Seit einigen Monaten finden einige der   erhaltenden Maßnahmen nicht statt, wie zum Beispiel die Sandverteilung durch die Bagger, wodurch das Ökosystem gefährdet ist.

Was manche vielleicht nicht wissen ist, dass es in den Dünen eine ungeahnt reiche Vielfalt an zum Teil endemischen Pflanzen und Tieren gibt und seit 1982 per Königlichem Erlass 1.741/1982 provisorisch geschützt wurde. Diese 403,9 Hektar wurden 1994 zum Naturschutzgebiet „Reserva Natural Especial“ (RNE de Maspalomas) erklärt.

 

Die Gemeinde San Bartolomé de Tirajana arbeitet hart an der Erhaltung dieser einzigartigen Naturkulisse. Viele Vögel haben (wieder) ihre Brut- und Nistplätze rund um die Lagune (Charco de Maspalomas). Zu sehen sind Turmfalken, Blesshühner, Seidenreiher oder Stelzenläufer, um nur einige zu nennen.

 

Auch die Flora in den Dünen wird oft unterschätzt. Natürlich gibt es hier die typische Kanarische Dattelpalme, aber auch Traganum Sträucher, Stechende Binse oder Kahle Schizogyne. Nach der Wiederbepflanzung ist auch der endemische Rosa Strandflieder wieder anzutreffen.

 

(Be)Grenzen

 

Erst vor wenigen Jahren wurde mit einem hohen finanziellen Aufwand Abgrenzungen installiert, die die Fauna und Flora in diesen speziellen Zonen schützen sollen.

Es ist traurig zu sehen wie ignorant gerade Urlauber damit umgehen und trotz der vielen Hinweisschilder einfach mitten durch diese Zonen laufen als ob es nicht genügend markierte Wanderwege durch die Dünen gäbe. Schlimmer ist nur noch, dass man auch an entlegenen Stellen immer wieder leere Bierdosen, Wasserflaschen und Papier entdeckt, als ob die Verpackung mehr wiegen würde als der Inhalt? (siehe Foto links) Vielleicht gibt es nur eine Chance dieses einzigartige Gebiet auch für die Nachwelt zu erhalten, wenn man den Zugang gänzlich verbietet oder eine konsequente Kontrolle auf Einhaltung der Verhaltensregeln erfolgt und man nachhaltig das Bewusstsein bei Touristen wie Einheimischen öffnet.

 

INFORMATIONSZENTRUM

Wer sich noch mehr über die „Dunas de Maspalomas“ informieren möchte, dem stehen die Türen des Informationszentrums (Centro de Interpretación) offen. José, der seit 15 Jahren dabei ist und Andrés (seit neun Jahren) standen auch uns kompetent mit Rat und Tat zur Seite. Wir bedanken uns herzlich. Das Zentrum befindet sich beim Durchgang des RIU Palace Maspalomas und ist werktags von 8.30 bis 14.00 Uhr für Besucher geöffnet.

 

VERHALTENSKODEX IM NATURSCHUTZGEBIET


Werfen Sie Ihren Müll in die dafür vorgesehenen Behälter und keinesfalls achtlos in die Dünen.
Bauen Sie keine Windschutzmauern bzw. -wälle, diese behindern die natürlichen Windströmung (Sand!);
Füttern Sie keinesfalls die Fische, das bringt das ökologische Gleichgewicht der Fauna durcheinander.
Bitte halten Sie sich bei Ihren Spaziergängen entlang der Wege und überschreiten Sie nicht die Absperrungen. Diese sind zum Schutz der „jungen Dünen“ angebracht, damit diese sich entfalten können. Diese kennzeichnen ebenfalls Rückzugsbereiche wie z. B. Brutplätze für die Vögel.
Wählen Sie für Ihre Wanderung ausschließlich eine der fünf beschilderten Routen.

 

 

Aus unserer Ausgabe Nr. 30

vom 1.  März 2013

 

DIE WÜSTE LEBT

Das Naturschutzgebiet der Dünen von Maspalomas -

Teil 1

 

 

 

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DIE WÜSTE LEBT

Vielfalt der Fauna und Flora der Dünen von Maspalomas -

Teil 2

die wüste lebt

DAS NATURSCHUTZGEBIET DER DÜNEN VON MASPALOMAS - TEIL 1

Ehrlich - zählen auch Sie zu jenen Menschen, die dachten der Sand der beeindruckenden Dünen von Maspalomas stammt aus der Sahara, der vom Wind auf die Kanaren geweht wurde? Viele Erstbesucher glauben das vermeintlich, wenn sie das erste Mal über die weichen Hügel der vier Hektar großen Fläche der Dünen spazieren. Diese sind nach den „Dunas de Corralejo“ (Fuerteventura) die größten auf dem Archipel. Dass es sich hier um ein einzigartiges Ökosystem handelt, dass durch das Ungleichgewicht in Gefahr ist, wissen wiederum Wenige.

© 2013 by Julija Major - Viva Canarias

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